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NWZonline.de Nachrichten Kultur

MUSIK: Riesiger Sprung übers Leben in den Untergang

29.06.2009

OLDENBURG Gustav Mahlers Sinfonien fangen an, als sei vorher etwas Umstürzendes passiert, das noch nachschwingt. Und so kann man ein solches Nachbeben in den Anfang der 6. Sinfonie a-Moll hineinhören wollen, wenn Alexander Rumpf mit dem Staatsorchester in der Weser-Ems-Halle den beißenden Marschrhythmus anschlägt.

Es ist das letzte Sinfoniekonzert des Oldenburger Generalmusikdirektors nach acht Jahren. Seine Dienstzeit war nach 1945 die zweitlängste nach der von Karl Randolf (1955–1967). Ungeheuer viel hat Rumpf bewegt. Und mag sich im aufreibenden Tagesdienst manches zuletzt abgenutzt und auseinander gelebt haben, geblieben ist bei Orchester und Chef immer der gegenseitige Respekt. Das ist die Basis, auf der diese Sechste zu imponierender und Maßstäbe setzenden Größe aufwächst und stürmisch bejubelt wird.

Mehrere Schicksalsschläge

Bei Mahler allerdings bezeichnet dieses Schwingen vor dem Anfang Schicksalsschläge. Drei ereilten ihn 1904 bei der Abfassung des bis zur Maßlosigkeit kolossalen Musikbaus – sein eigenes Herzleiden, der Tod einer Tochter und der Verlust der Leitung der Wiener Staatsoper. Dreimal ließ der Komponist in der Urfassung im Finalsatz einen Hammer niedersausen. Den dritten Schlag strich er später. Dieser Endgültigkeit des Schicksals wich er aus.

Die Sechste bleibt ein riesiger Sprung übers ganze Leben hinein in den Untergang. Rumpf und das vorwiegend mit Bremer Aushilfen auf weit über 100 Musiker aufgefüllte und fast fanatisch engagierte Staatsorchester treffen diesen schneidenden Mahler-Klang mit analytischer Prägnanz. Die Differenzierungen in der Partitur wie „Allmählich etwas gehaltener“ oder „Altväterlich“ sind derart natürlich realisiert, dass das wichtige Grundtempo nicht gefährdet wird. So lässt ein ungemein deutliches Klangbild immer auch das strukturelle Gefüge erkennen.

Erregend vielschichtig

Das Wunder der Oldenburger „Sechsten“ ist die Vereinigung der vielfachen Mahlerschen Parallel- und Gegenwelten. Die „triviale“ Sphäre mit den Herdenglocken ist ebenso eingebettet wie die „naive“. Immer stellt Rumpf die Frage nach dem Dahinter. Selbst inmitten aller dröhnenden Katastrophen im Finalsatz setzt sich erregend die Viel- und Verschiedenstimmigkeit durch. Nur, wenn am Ende die Musikmenschen auf der Bühne physisch an Grenzen stoßen, wirkt manche Härte auch brutalisierend. Vernichtet ist des Menschen Werk in Mahlers Sechster.

War das nun Rumpfs Bekenntnis nach acht großen Jahren? Oder hat er das nicht doch schon im Dezember im „Te Deum“ von Bruckner abgelegt?

Das Konzert wird heute um 19.30 Uhr in der Weser-Ems-Halle wiederholt. Karten: 0441/2225 111

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