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Pandemie Kulturhauptstädte im Krisenjahr 2020

Gregor Mayer Silvia Kusidlo

Rijeka/Galway - Der Auftakt war spektakulär. Mit einer „Opera Industriale“, die mit tanzenden Kränen, Punk-Orchester und großen Chören im Hafenbecken beeindruckte, startete die kroatische Stadt Rijeka am 1. Februar ins Europäische Kulturhauptstadt-Jahr. Aus der künstlerischen Verarbeitung der Themen Wasser, Arbeit und Migration, die den Ort seit Jahrhunderten prägen, wollte man Inspirationen für das post-industrielle Zeitalter schöpfen.

Zeit des „Abnormalen“

Doch dann brach das Coronavirus aus. Wochenlang legten Lockdowns Europa lahm. Dem Kulturhauptstadt-Motto „Hafen der Vielfalt“ fügte Rijeka ein weiteres hinzu: „In Zeiten des neuen Abnormalen“. Ivan Sarar, Leiter der Kulturhauptstadt-Agentur Rijeka 2020 und Kulturdezernent der 130 000-Einwohner-Stadt, sagt zur Halbzeit des Jahres: „Wir müssen jetzt mit der Hälfte des vorgesehenen Budgets auskommen.“

Der ehemalige Punk-Musiker aus der Underground-Szene des alten Jugoslawiens musste das Programm mit ursprünglich 300 Projekten und 600 Events arg reduzieren. „Wir strichen alle großen Musik- und Theaterproduktionen“, erklärt er im Rathaus von Rijeka. „Menschen verloren ihren Job und gerieten in existenzielle Notlagen – ein Festhalten daran hätten wir als prätentiös empfunden.“

Die großen Infrastrukturprojekte stehen hingegen nicht in Frage. Sie sind, mit maßgeblicher EU-Hilfe, bereits im Stadium der Realisierung. Auf dem Areal der alten Zuckerfabrik entsteht unverändert das neue Museumsviertel, mit Stadtbibliothek und interaktivem Museum für Kinder. Eine internationale Ausstellung mit dem Titel „Das leuchtende Meer“ soll am 13. August eröffnen.

Programmmacher Sarar legt aber auch Wert darauf, dass Projekte unter Einbindung der Bevölkerung Rijekas und des Umlands weitergehen. „Uns sind diese Gemeinschaften wichtig“, sagt er. Eine dieser Initiativen erlebte am letzten Juni-Wochenende ihren Start. Bürgerinitiativen nahmen einen Teil der pittoresken Schlucht im Hartera-Viertel in Besitz, um hier gemeinschaftlich zu nutzende Räume schaffen. Unter anderen sind Radiomacher, Musiker, Skater und Bienenzüchter mit dabei.

Ein stürmischer Start

Auch in der Kulturhauptstadt Galway an der rauen Westküste Irlands musste das Programm zusammengestrichen werden – nicht nur wegen der Pandemie. Heftige Stürme und Regen machten den Veranstaltern schon in der Auftaktwoche das Leben schwer.

Dabei hatte Kreativdirektorin Helen Marriage sogar mit dem unvorteilhaften Wetter geworben: „Galway ist wie Barcelona mit Regen, denn hier regnet es 240 Tage im Jahr.“ Es sei ein wilder Ort am Ende Europas mit Blick auf den Atlantik. Der Wind werde zur Eröffnung heulen und es werde regnen, sagte Marriage. So war es dann auch.

Doch die Pandemie stellte all dies in den Schatten. Etwa 150 Projekte mit mehr als 2000 Veranstaltungen zu den Themen Sprache, Landschaft und Migration waren in Irland geplant. Die meisten Angebote wurden gestrichen. Die Regierung unterstützt nun die Überarbeitung des Programms. Was an Veranstaltungen trotz Corona-Krise zugelassen wird, soll dann von September 2020 bis März 2021 gezeigt werden, sagte Róisín Birch vom Organisationsteam in Galway der Deutschen Presse-Agentur.

Theater läuft jetzt online

Das ehemalige Fischerdorf Galway ist vor allem für traditionelle irische Musik und seine Pubs bekannt. Weltoffenheit und Vielfalt ziehen viele Studenten und Touristen in die Stadt. Pressesprecher Fintan Maher hofft, dass etwa 30 Projekte noch gerettet werden können. Einfach zu lösen ist das Problem bei Filmen und Theaterstücken; sie werden nun online gezeigt.

Abgesagt wurde eine gigantische Lichtinstallation in den Connemara-Bergen des finnischen Künstlers Kari Kola. „Glücklicherweise konnten wir das Ereignis während der Probe festhalten und präsentierten es als digitales Kunstwerk.“ Hunderttausende Menschen haben sich demnach „Savage Beauty“ angeschaut.

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