Oldenburg - Drei komplette, begeisternde und umjubelte Ring-Aufführungen haben dafür gesorgt, dass das Oldenburgische Staatstheater eine weit über unsere Region gehende nationale und internationale Aufmerksamkeit bekommen hat. Das Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ ist in seiner Monumentalität, der textlichen und musikalischen Dichte, und der außergewöhnlichen kompositorischen Anlage einmalig. Es stellt an alle Ausführenden größte künstlerische Anforderungen. Diesen haben sich die Ensemblemitglieder, Gastsängerinnen, Statisten, der Opernchor und das Staatsorchester äußerst erfolgreich gestellt. Das sorgte für gut 16 Stunden spannende Oper, verteilt auf vier Abende in jedem Ring-Zyklus, und bot Dramatisches, Fesselndes, Farbenfrohes, Faszinierendes und Stimmungsvolles mit nachhaltiger Wirkung.

Sicherlich, das mitunter eigenwillige, in sich aber schlüssige Regiekonzept von Paul Esterhazy machte es nicht immer leicht, dem komplexen Geschehen zu folgen. Er legte die Handlung zwischen Götterwelt, Elementarwesen und Menschen in die Welt eines Bergdorfes, zeigte Werden und Verfall einer in sich isolierten, konfliktgeladenen Gesellschaft. Dabei kamen die von Wagner konzipierten mythologischen Bilder, welche nicht nur als Bilder eines gesellschaftlichen Verfalls, sondern auch als Seelenabbilder einer nach Innen gerichteten menschlichen Entwicklung wirken, nicht immer zur Geltung. Die Loslösung des Menschen von den Machtstrukturen der alten Götterwelt in Entsagung und Verwandlung, durch eine innerlich erworbene individuelle Freiheit, ist eine der Zukunftsvisionen des Ringstoffes.

Für die kontrastreichen Bühnenbilder und die mit differenzierten Details versehenen Kostüme sorgte Mathis Neidhardt. Durch die geschickte Verwendung der Drehbühne öffneten sich stets neue Räume, war das Geschehen andauernd in Bewegung. Mit diesem gelungenen Stilmittel, welches eine ständige Bewegung und Verwandlung in der Zeit andeutete, war das Regiekonzept nah am Original. Die Beleuchtung durch Ernst Engel charakterisierte die unterschiedlichen Stimmungen treffend und verlieh dem Bühnenbild eine farblich passende, manchmal auch schattierte und umnebelte Aura.

Das vor allem durch Bassinstrumente und die charakteristischen Wagnertuben erweiterte Staatsorchester leistete Großartiges. Unter dem souveränen Dirigat von Hendrik Vestmann schillerten die Wagnerschen Klangfarben mit einnehmender Prägnanz. Beeindruckend leuchteten einzelne Instrumentengruppen in ihren charaktervollen Klangfarben. Die Fülle der durch die komplette Musik leitenden Motive, hier wurde nach Wagner später der Begriff „Leitmotiv“ kreiert, nahm die Hörer mit durch das ganze Operngeschehen, gab Transparenz und manch Entschlüsselndes zum komplexen Handlungsverlauf.

Die großartigen Gesangspartien wurden durchweg auf hohem Niveau gemeistert. Es ist eine enorme Herausforderung für alle Solistinnen und Solisten, die aus dem Sprachduktus entwickelte Rhythmik und aus den dichten, oftmals modulierenden Harmoniefolgen gebildete Melodik überzeugend zu gestalten. Neben den emotionsgeladenen, dramatischen, grandiosen und fulminanten Szenen hielten besonders die stillen Situationen herausragende Spannungsmomente bereit, die wesentliche charakterliche Veränderungen und Wandlungen zeigten.

An diesem Samstagabend ist mit der „Götterdämmerung“ die letzte, den gesamten Zyklus beendende Aufführung. Der mitreißende Oldenburger Ring hat jetzt schon Operngeschichte geschrieben. Er ist etwas ganz Besonderes und Einmaliges und wird sicherlich in die Zukunft ausstrahlen mit allem, was anhaltend nachklingt und mit seinen tief berührenden Eindrücken nachwirkt.