Oldenburg - Vergangene Woche in der Nordwestbahn zwischen Rastede und Oldenburg: Zwei Flüchtlinge aus Syrien werden vom Schaffner kontrolliert. Fahrkarten haben die Männer, die kein Deutsch und kaum Englisch sprechen, nicht. Der Kontrolleur verlangt jeweils 60 Euro wegen Schwarzfahrens von beiden und droht mit der Polizei. Der Oldenburger Keno Siefken verfolgt die Szene und mischt sich ein: Der 24-Jährige zahlt kurzerhand den Fahrpreis für die Männer. „So sozial sind Sie?“, fragt der Schaffner ungläubig. Ja, ist er. Und mehr noch: Die Begebenheit im Zug ist für Siefken Anlass, eine Solidaritätsaktion für Flüchtlinge auf die Beine zu stellen.
Zusammen mit seinem Partner Johann Damm (30), mit dem er die Veranstaltungsagentur Sida Entertainment betreibt, organisiert er ein Benefizkonzert zugunsten der in Oldenburg untergebrachten Flüchtlinge. „Jeder sollte helfen so wie er kann, und wir können Konzerte machen“, sagt Siefken.
„Help for Refugees“ (zu deutsch: Hilfe für Flüchtlinge) ist die „Soli-Party“ betitelt, die am Sonnabend, 19. September, im Jugendkulturzentrum Cadillac (Huntestraße 4a) stattfindet. Beginn ist um 18 Uhr.
Siefken und Damm hatten die Location ohnehin schon gebucht für die nächste Auflage vom „Narf“, dem „New Alternativ Music Festival“. Die für das „Narf“ eingeplante finnische Punkrockband „No Shame“ tritt nun ebenso ohne Gage auf wie die übrigen Acts des Abends. Zugesagt haben bis jetzt die Rockbands „Diva“ und „David und die Kernigen“, die junge Oldenburger Singer-Songwriterin Michelle Ailjets, „Die Rapversteher“ sowie die Hip-Hop-Musiker Luc von Mensing sowie Wilson & Jeffrey. „Das Line-Up wird voraussichtlich noch erweitert“, kündigt Johann Damm an. Die bisherige Resonanz von Bands und Musikfans sei großartig.
Ab Mitternacht wollen in zwei Bereichen Jan Meiners, DJ Dope, DJ Tee Cee und Stereorocker Elektro- und House-Musik auflegen. Der Mindesteintrittspreis für Konzert und Party beträgt fünf Euro – „gerne darf es aber auch mehr sein“, hofft Keno Siefken. „Wir wollen mit dem Geld vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften helfen“, kündigt der 24-Jährige an. Die Cadillac-Crew steuert zudem die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf bei.
Zum Konzert sollen auch Sachspenden gesammelt werden. Angedacht ist, dass dafür Container auf dem Cadillac-Parkplatz aufgestellt werden. „Wir haben uns von der Stadt eine Bedarfsliste geben lassen“, so Siefken. Benötigt würden Hygiene-Artikel, Kinderkleidung, Spielsachen und Fahrräder. Freiwillige Helfer werden die Sachen ab 17 Uhr entgegennehmen.
Siefken und Damm denken bereits weiter: Sie wollen voraussichtlich für November ein Solidaritätskonzert vorbereiten, zu dem speziell Flüchtlinge eingeladen werden sollen – dann in einer größeren Konzerthalle.
