RODENKIRCHEN - Alma Rogge hat nie vergessen, wer sie das erste Mal für eine Geschichte lobte und wer sie dazu animierte. Ihr erstes plattdeutsches Theaterstück beispielsweise ist auf die Initiative des Gymnasiallehrers Professor Wilhelm Wisser zurückzuführen. Der Oldenburger Sammler und Herausgeber niederdeutscher Märchen, der Vater ihrer Freundin Hanna, hatte ein Gespür für Alma Rogges literarisches Können.

Besuch der Bürgerschule

Alma Rogge erblickte am 24. Juli 1894 als Tochter des Bauern August Rogge und seiner Frau Auguste, geborene Lübben, auf dem elterlichen Hof Brunswarden bei Rodenkirchen das Licht der Welt. Schon früh reifte in ihr der Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Ihre Schulzeit begann in einer einklassigen Volksschule. Ab dem dritten Schuljahr besuchte sie wie ihre beiden Brüder die Bürgerschule in Rodenkirchen. Bereits während ihrer Schulzeit verfasste sie kleinere Gedichte und hielt Gegebenheiten und Eindrücke in ihrem Notizheft fest.

Mit ihrer Freundin Leny, deren Vater die Strohauser Mühle betrieb, verbrachte Alma Rogge ihre freie Zeit, wenn sie nicht der Mutter bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen musste. Die Mühle ist später Schauplatz in ihren Werken „In de Möhl“ und „Die Bucht“.

Alma Rogge stammte aus begütertem Hause. Und zu einem Mädchen ihres Standes gehörte damals die sogenannte Pensionszeit. Diese verbrachte sie in Bad Kreuznach. Dort entstanden auch ihre ersten Gedichte, und sie lernte Hanna Wisser kennen, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verband.

Nach den aufmunternden Worten von Wilhelm Wisser machte sich Alma Rogge daran, ihr erstes plattdeutsches Theaterstück zu schreiben. Ihr Ziel, Studentin und Dichterin zu werden, verlor sie dabei nicht aus den Augen. Der Rodenkircher Pfarrer Wilhelm Ramsauer bereitete sie zunächst auf die Mittlere Reife vor. Noch während des Ersten Weltkriegs schloss sie die Arbeiten an ihrem ersten Stück ab – drei Gedichte von ihr waren in der Zwischenzeit bereits publiziert worden – und brachte es im Frühjahr 1916 in Rodenkirchen zur Uraufführung. „Up de Freete“ der 21-jährigen Autorin war ein voller Erfolg. Die Niederdeutsche Bühne in Hamburg übernahm das Stück in der Spielzeit darauf.

Vom Ehrgeiz getrieben, schaffte Alma Rogge das Abitur. Sie schrieb sich in Göttingen ein, studierte in Berlin und München, um sich dann in Hamburg auf die Doktorarbeit vorzubereiten. Sie studierte Literatur, Kunstgeschichte und Niederdeutsch. Ihre Doktorarbeit trug den Titel „Das Problem der dramatischen Gestaltung im deutschen Lustspiel“. Im Oktober 1926 wurde ihr an der Universität Hamburg der Doktortitel verliehen.

Ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammelte sie im Bremer Schünemann Verlag zunächst als Volontärin und später als leitende Redakteurin der Zeitschrift „Niedersachsen“. Nachdem sie sich nach einigen Berufsjahren entschlossen hatte, freie Schriftstellerin zu werden, verfasste sie unter anderem „Schmuggel an der Bucht“ (1935). Dem Strohauser Siel und den Menschen ihrer Kindheit setzte sie damit ein Denkmal. Radio Bremen übernahm das Stück als plattdeutsches Hörspiel, das Hamburger Ohnsorg Theater spielte es unter dem Titel „Twee Kisten Rum“. Der Erfolg des Schauspiels trug zu ihrer Popularität bei.

Haus in Rönnebeck

Die plattdeutsche Sprache lag Alma Rogge sehr am Herzen. In der Zeit des Nationalsozialismus waren ihre Arbeiten geschätzt. Ihre Rolle während dieser Zeit ist jedoch umstritten. Im Jahr 1940 jedenfalls trat sie wieder der Redaktion der Zeitschrift „Niedersachsen“ bei, die sie 1949 wiederbelebte. In der Zwischenzeit hatte sie sich von der Erbschaft ein Haus in Rönnebeck bei Bremen gebaut, in dem sie zusammen mit ihrer Freundin Hanna Wisser und deren Tochter Christine lebte. Unter Alma Rogges Regie blühte die Zeitschrift „Niedersachsen“ wieder auf. Sie arbeitete weiter, reiste viel durchs Land und hielt Vorträge und Lesungen.

Am 7. Februar 1969 starb Alma Rogge in Bremen, Hanna Wisser und Christine hatten sie liebevoll gepflegt. Alma Rogge ruht auf dem Friedhof in Rodenkirchen. 20 Jahre später wurde ihre langjährige Freundin Hanna Wisser-Thimig neben ihr beigesetzt.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake