RODENKIRCHEN - Sie kamen meist nur mit dem allernötigsten Hab und Gut in der Wesermarsch an. Die Vertriebenen und Flüchtlinge hatten ihre Heimat und oft auch Familienangehörige im Krieg und während der Vertreibung aus dem Osten verloren. Sie waren entwurzelt. Der Anfang in ihrer neuen Heimat wurde ihnen auch nicht immer leicht gemacht, wie die Studien und Nachforschungen von Alexander Hein ergeben haben.

In der Filiale der Landesparkasse zu Oldenburg in Rodenkirchen ist eine kleine Ausstellung mit Dokumenten zu sehen, die sich mit dem Schicksal der Flüchtlinge und Vertriebenen befasst, die in der Wesermarsch eine neue Heimat fanden. Der 36-jährige Rodenkircher, Lehrer für Geschichte und Politik in Bremen, hat die Dokumente zusammengestellt. Zuerst waren es rund 100 Evakuierte aus Hamburg, die 1943/44 nach den verheerenden Bombenangriffen in die Wesermarsch kamen. Rund 41 000 Flüchtlinge, meist aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern, folgten ihnen schubweise bis etwa 1950. „Es gab große Schwierigkeiten, die Leute unterzubringen“, sagt Alexander Hein. Für viele von ihnen war die Wesermarsch auch nur eine Zwischenstation.

Den Titel seines Buches, das im Herbst erscheinen soll, hatte der Lehrer bereits für seine Hausarbeit anlässlich der Ersten Staatsexamensprüfung an der Universität Kassel gewählt: „Wir waren doch nur Fremde für die Einheimischen“. Auf rund 220 Seiten kommen Zeitzeugen zu Wort, sind Berichte und Dokumente zu einem regionalgeschichtlichen Werk über Flucht, Vertreibung und Neuanfang zusammengetragen worden, die sich auf Nordenham und Rodenkirchen konzentrieren, aber auch andere Ortschaften nicht auslassen.

So belegt ein Dokument des Gemeindeamts Rodenkirchen von April 1947, dass in Schwei im Saal von Johann Ficke 30, in der alten Schule 20 und in der neuen Schule Platz für 87 Personen sei. Im Saale Meyer in Rodenkirchen könnten 53 Menschen untergebracht werden. Die jeweiligen Gebäude würden sich in einem guten Zustand befinden, hieß es.

Dass die Not, aber auch die Vorbehalte gegen Flüchtlinge groß war, belegt ein weiteres Dokument. Aus Protest gegen Flüchtlingszuweisungen waren die Bürgermeister und Kreistagsmitglieder im April 1947 zurückgetreten.

Der Rodenkircher hat Material im Staatsarchiv Oldenburg zusammengetragen. Er dankt vor allem auch den Mitgliedern des Rüstringer Heimatbundes und den Mitarbeitern des Museums Nordenham, die ihn unterstützt haben. Vor allem im Archiv des Heimatbundes fand er viele Quellen für seine Arbeit.

Der Autor ist unter Telefon 0421/6950554 oder per E-Mail regionalgeschichte@gmx.de zu erreichen.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake