RODENKIRCHEN - Möglichst wenig Hollywood, dafür mehr Authentizität: Darauf legt Bühnen-Fechtmeister Robert Schnöll aus Wardenburg bei der Einübung der Fecht- und Kampfszenen beim Freilichttheater „Dude und Gerolt“ viel Wert. Die Kampfdarstellungen seien ein Miteinander und kein Gegeneinander, sagte er.

Beim Stück kommen fünf für den Schaukampf taugliche Waffen zum Einsatz, die etwa zwei Kilogramm wiegen und durch ihren Schwerpunkt Nahe des Griffes sehr ausgewogen zu führen sind. Ihre Handhabung erfordert Kraft, Geschick und Talent. Die Übungseinheiten sind nach spätestens einer Stunde beendet. Die körperliche Anstrengung merkt man den Darstellern an: Schon nach wenigen Minuten sind sie außer Atem. Zurzeit wird drei- bis viermal pro Woche für je eine Stunde geübt. Im Stück wird es eine Kampfszene an der Freedeborg, eine Hinrichtung, eine Schauszene der beiden Hauptdarsteller und eine Übungsszene zwischen Vater und seinen Söhnen geben.

Kampf-Choreograph

Die dafür verwendeten Schwerter stammen zum Großteil aus Dangast, wo sie für das Stück „Edo Wiemken“ zum Einsatz kamen. Auch dort war der Kampf-Choreograph Robert Schnöll engagiert worden. Der 47-Jährige wuchs in einer Schauspielerfamilie auf und begann mit dem Fechten bereits im Alter von acht Jahren. Als aktiver Sportler und später als Trainer sammelte der Wardenburger viele Erfahrungen, die er nun an seine Schützlinge weitergibt.

Es erfordere durchaus ein gewisses Vorwissen in der Theaterpraxis, der Psychologie, der Theatertechnik und des Schauspieles, um ein guter Fechtmeister zu sein, betont Robert Schnöll, der als Dozent an der Hochschule Hannover und als Freiberufler für Film und Theater tätig ist. Jedes Zeitalter habe seine eigenen Bewegungsarten, so Robert Schnöll weiter. Die Choreographie beginne immer aus der Zuschauerperspektive. „Die Wahrnehmung der Zuschauer hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich geändert. Durch das Fernsehen sind die Szenen kürzer und die Aktionen schneller geworden“, merkt er an. Dennoch soll bei den Kampfszenen in „Dude und Gerolt“ die mittelalterliche Körpersprache erhalten bleiben. Darin sieht der Fechtmeister eine besondere Herausforderung.

Enormes Talent

Bereits beim Casting wurden auch motorische Fähigkeiten abgefragt und die Rollen entsprechend besetzt. Olaf Adebahr (Dude) habe zwar wenig Erfahrung gehabt, sich aber als enormes Talent erwiesen, sagt Robert Schnöll und lobt auch den jungen Thorsten Gradic (Wache auf der Freedeborg).

Die Charaktere der Darsteller sollen sich in den Kampfszenen widerspiegeln. Vom Regisseur Thomas Willberger gab es keine Vorgaben sondern nur Eckdaten. Robert Schnöll entwickelte die Szenen während der Arbeit mit den Darstellern.