ROM - ROM/KNA - Paulus ruht in Frieden – bis auf Weiteres. Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, der Hausherr der römischen Basilika Sankt Paul, wird den kürzlich in seiner Kirche entdeckten und jetzt öffentlich zugänglichen Sarkophag nicht ohne Zustimmung von Papst Benedikt XVI. öffnen. Aber eine Untersuchung der in dem Sarg erwarteten sterblichen Überreste sei prinzipiell möglich. Dies wurde gestern bekannt. Und es ist viel mehr als das diskrete Schweigen, mit dem man bisher im Vatikan solche Vorschläge nach einem Gen-Test für den Völkerapostel überging.
Dass es sich bei dem antiken Grab unterm Altar tatsächlich um die letzte Ruhestätte des um 67 hingerichteten Paulus, des wichtigsten Missionars der frühen Kirchengeschichte handelt, davon ist der Vatikan auch so überzeugt. Nur stützt er sich dabei auf eine Art archäologischen Indizienbeweis. Es sind die Ergebnisse einer vierjährigen Untersuchung des Vatikan-Archäologen Giorgio Filippi. Demnach befindet sich der Paulussarg seit dem Jahr 390 unverrückt an seinem heutigen Platz unter einer Abdeckung, die auf „Pavlo Apostolo Mart“, den Apostel und Märtyrer Paulus, verweist. Filippi zufolge geben sich archäologische Befunde und literarische Quellen die Hand – was für die Echtheit spricht.
Paradoxerweise ist aber nicht klar, ob der Paulussarg auch die Gebeine des Paulus enthält. Eigentlich, so Filippi, müsste bei einer Öffnung ein Skelett ohne Schädel gefunden werden. Das Haupt des Paulus wird nämlich in der Basilika Sankt Johann im Lateran gezeigt. Aber auch weitere Reliquienteilungen, Umbettungen und Nachbestattungen wären nicht unüblich für das frühe Christentum.
