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NWZonline.de Region

Romeo und Julia lassen grüßen

15.02.2016

Wilhelmshaven Hoch im Norden gibt es ein kleines Theaterwunder. Wo eröffnet in diesen Spar-, Streich- und Subventionszeiten schon eine neue Bühne? In Wilhelmshaven wurde eine leerstehende Halle in zwei Jahren zu einem feinen Theater umgebaut und nun am Sonnabend mit angenehm kurzen Reden und einem hübschen Musical eröffnet.

Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) ließ sich die Feier nicht entgehen. Wie andere Redner auch pries sie die Mäzenin Angelika Reichelt (früher Reichelt Elektronik). Die hatte die neue Studiospielstätte am Bontekai mit 99 feuerpolizeilich zugelassenen Zuschauerplätzen ermöglicht, indem sie das Backsteingebäude kaufte und einrichten ließ – Zahlen nannte man vornehm nicht.

Doch nichts wirkt hier billig. Das Gebäude direkt am Wasser wurde innen in viel Rot und Schwarz getaucht, ein funktionales Foyer empfängt die Gäste, der Zuschauerraum hat prächtig ansteigende Stuhlreihen, die Bühne für die Akteure jeden erdenklichen Komfort. Das „Theos“ ist fertig – die Abkürzung nach Anfangsbuchstaben steht übrigens nicht für Theater Olaf Strieb (so heißt der Intendant), sondern für „Theater im Oceanis“.

Der Bühnenleiter selbst hat die Eröffnungspremiere in Szene gesetzt – das US-Musical „The Fantasticks“ von Edmond Rostand. Die Inszenierung in deutscher Sprache zeigt, wofür die Landesbühne Nord auch steht: für deutliches, dem Publikum zugewandtes Theater.

Zwei Musiker, Christian Hiltawsky und Florian Oberlichter, sorgen für ansprechende, oft an Brecht/Weill erinnernde Musik. Und auf fast leerer Bretterbühne bekommen wir, was man nicht oft im Stadttheater bekommt: liebevoll inszenierte Unterhaltung.

In „The Fantasticks“, berühmt geworden durch die Melodie von „Try To Remember“, geht es um Blau gegen Rot: Zwei klamaukige Väter in Gummistiefeln – der eine kleidungsmäßig in Blau getaucht, der andere in Rot – beschließen über dem Gartenzaun, dass sich ihre Kinder kriegen sollen.

Da Kinder angeblich immer das Gegenteil von dem machen, was Eltern wollen, täuschen die Väter üblen Streit vor und verbieten jeden Kontakt – prompt verlieben sich die Teenager Matt und Luisa ineinander. Romeo und Julia lassen freundlich grüßen.

Alle sind in dem kleinen Broadway-Musical mit Herzblut dabei, die Väter (Helmut Rühl und Christoph Sommer), die oft melancholischen Kinder (Mechthild Grabner, Ben Knop), auch der geheimnisvolle Schönling El Gallo, gespielt von dem sehr präsenten Vasilios Zavrakis. Daneben glänzen als komische Typen Thomas Marx und Robert Lang.

Ein Pantomime begleitet alles – ein Kniff der etwas über zwei Stunden dauernden Inszenierung. René Schack, lange in Oldenburg aktiv, beherrscht die stille Kunst eines gut sichtbaren Geistes, der sogar eine steinerne Mauer darstellen kann.

Mit wenig viel erreichen – typisch für die Landesbühne. Wie gut, dass wir sie haben.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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