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Literatur: Rundgang durch einen Roman

12.02.2014

Lübeck /Oldenburg Rund 220 Kilometer Luftlinie beträgt die Entfernung zwischen Oldenburg und Lübeck. Nicht gerade um die Ecke, aber im übertragenen Sinne näher, als die Kilometerzahl angibt. Denn die neue Leiterin des Lübecker Buddenbrookhauses, die am 1. April ihr Amt antritt, steht in enger Beziehung zu Oldenburg und freut sich, dass sie aus Bonn in den Norden zurückkehren kann.

Birte Lipinski hat Germanistik und bildende Kunst für das Lehramt an Gymnasien an der Carl-von-Ossietzky-Universität und in Salamanca/Spanien studiert. In Oldenburg wurde sie im Juli 2012 mit einer Arbeit über einen Autor promoviert, der seinerseits in der Stadt sein Abitur gemacht hat und am Staatstheater als Dramaturg arbeitete: John von Düffel. Dessen Dramatisierung der „Buddenbrooks“ bildet den Schwerpunkt ihrer Dissertation über Bühnenadaptionen von Romanen. Und schließlich war Manfred Dierks, anerkannter Thomas-Mann-Forscher, ehemaliger Vizepräsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft in Lübeck und inzwischen emeritiert, einer ihrer Professoren.

Informationen

Die Germanistin Birte Lipinski (34), geboren in Elmshorn (Schleswig-Holstein), übernimmt zum 1. April die Leitung des Heinrich- und Thomas-Mann-Zentrums in Lübeck.

In Oldenburg hat sie nicht nur studiert, sondern war zwischen 2008 und 2010 auch künstlerische Leiterin des Universitätstheaters.

    www.buddenbrookhaus.de

Unter 45 Bewerbern, davon neun in der engeren Wahl, wurde die 34-Jährige, die derzeit noch als wissenschaftliche Referentin bei der Studienstiftung des deutschen Volkes in Bonn arbeitet, nun zur neuen Leiterin des Buddenbrookhauses in Lübecks Altstadt gewählt, dem bedeutendsten Erinnerungsort der Familie Mann in Deutschland. Sie erwarte „eine spannende Aufgabe“, sagt sie, die darin bestehe, Literatur zu erforschen, zu vermitteln, sie verständlich und begreifbar zu machen. Wozu sie als ehemalige Lehramtskandidatin beste Voraussetzungen mitbringt. Zu konkreten Konzepten wollte sie sich derzeit aber noch nicht äußern. Aber natürlich würden die geplanten Aus- und Umbauten viel Aufmerksamkeit verlangen.

Die neue Leiterin soll für eine stärker populärwissenschaftliche Ausrichtung des Literaturmuseums in der Mengstraße 4 sorgen. Das Gebäude war Geschäftssitz und Wohnort der Lübecker Kaufmannsvorfahren der Manns und Vorlage für den größten Familienroman deutscher Sprache: „Buddenbrooks“ (1901). Die Geschichte der Familie Buddenbrook, die in vielen, wenn auch nicht allen Details der Geschichte der Familie Mann gleicht, spielte sich zu weiten Teilen hinter der barocken Fassade ab.

Konzipiert ist das Museum wie ein begehbarer Roman mit zwei festen Ausstellungen, in denen Dichtung und Wahrheit aufeinandertreffen: In der Beletage etwa, wo einst die Familie Mann wohnte, finden sich heute Rauminszenierungen aus den „Buddenbrooks“.

Rund 60 000 Besucher (etwa 550 Gruppen) zieht es jährlich nach Lübeck, um auf den Spuren von Thomas, Tony und Christian Buddenbrook zu wandeln. Womit das Museum an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Mit Hilfe einer Geldspritze in Höhe von 300 000 Euro durch die Bundesregierung konnte das Nachbarhaus, die Mengstraße 6, erworben werden. Beide Häuser sollen miteinander verzahnt werden. Die Erweiterung ist für Ende 2015 oder im Laufe des Jahres 2016 geplant.

Holger Pils, der Vorgänger von Birte Lipinski, ist übrigens zur Stiftung Lyrik Kabinett nach München gewechselt – der Wahlheimat von Thomas Mann. Nicht im eleganten Lübecker Stadthaus an der Mengstraße, sondern in der „Poschi“, dem Wohnhaus der Manns in Münchens Poschingerstraße, schrieb er die „Buddenbrooks“. Dort erreichte ihn 1929 auch die Nachricht aus Stockholm, dass er dafür mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werde.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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