Oldenburg - Wer am Radio die Loudness-Taste drückt, bekommt mehr Volumen, mehr Druck im Klang. Und oft auch mehr Verzerrungen. Wer mit einem Chor in einer Kirche mit einer Rundkuppel auftritt, erzielt einen ähnlichen Effekt: Vollerer Klang, herausgehobene dynamische Abstufungen. Aber auch mehr Verwischungen. Zwischen Segen und Fluch solcher Akustik hat der Demantius-Chor in der Garnisonkirche überzeugend die Vorteile herausgearbeitet. Im Programm setzt Chorleiterin Dorothee Bauer aus Varel auf die prachtvolle Mehrchörigkeit mit ihrer Rundumwirkung im Raum. Dabei greifen mehrere Chorgruppen in Dialogen kontrastreich ineinander. Die Auswahl zwischen Renaissance, Barock, Romantik und linder Moderne wirkt ausgesprochen klug.

Mit rund 30 Sängerinnen und Sängern hat der Chor eine solide Größe für die weit schwingende Klangpracht eines Giovanni Gabrieli (Jubilate Deo) oder eines Charles Villiers Stanford (Beati quorum via). Die Beweglichkeit der Besetzung kommt Johann Sebastian Bach zugute, seiner in der Autorschaft umstrittenen Motette „Ich lasse dich nicht“, BWV Anhang 159. Bei Heinrich Schütz („Wie lieblich sind deine Wohnungen“) vereinigen sich Fülle und lineare Deutlichkeit glücklich.

Der Demantius-Chor singt a cappella oder vereinigt mit einem klangschönen Ensemble historischer Instrumente von Violinen, Gamben Violone und Orgel. Er vermittelt den Eindruck ausgewogener stimmlicher Grundschulung. So hält er auch in den tieferen Piano-Passagen die notwendige Festigkeit. Rhythmische Präzision und dynamische Vielfältigkeit gesellen sich hinzu. Was der Raumhall aber verwischt, ist eine deutlichere Textverständlichkeit.

Claas Harders kommt auf der Bassgambe die Akustik gelegen. Der Bremer spitzt die Ohren der zahlreichen Zuhörerschaft mit zwei Sätzen von Forqueray und Marais: La Girouette und L’Arabesque. Harders besticht durch sein farbiges Akkordspiel und die Nutzung leerer Saiten mit breiter Resonanz und reichem Farbstrich. Zusätzliche Loudness braucht das nicht.