Bremen - Das Übersee-Museum Bremen hat seine 1200 Quadratmeter große Afrika-Abteilung für mehr als zwei Millionen Euro umgebaut und neu inszeniert. Von diesem Sonnabend an geben unter anderem Dioramen mit Geparden und Giraffen, Dschungelszenarien, Multimediastationen und Gegenwartskunst einen Einblick in den schwarzen Kontinent.
Farmer und Rapper
Klischees wie einen Sonnenuntergang über der Savanne bedienen die Ausstellungsmacher allerdings ausdrücklich nicht. „Wir beginnen unsere Ausstellung ganz bewusst nicht mit den fantastischen Nationalparks, sondern mit Kenias Hauptstadt Nairobi, einer pulsierenden Mega-City, wie sie typisch ist für das heutige Afrika“, sagte Museumsleiterin Wiebke Ahrndt am Freitag.
Ausgehend von einem afrikanischen Café führt die Safari über sechs Stationen. Videoporträts von einem Rapper, Farmer oder einer Immobilien-Maklerin spiegeln den Alltag in Afrika. Besucher können die Vielfalt afrikanischer Musik erleben. Gezeigt wird auch die systematische Ausbeutung des Kontinents am Beispiel begehrter Rohstoffe wie Diamanten oder das für Handys wichtige Erz Coltan.
Mumien aus altägyptischer Zeit sowie Abgüsse rund sechs Millionen Jahre alter menschlicher Schädel verweisen in die Vergangenheit, aber auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik wird in der Schau thematisiert. So verdeutlichen Video-Interviews mit minderjährigen Afrikanern die lebensgefährliche Flucht in einem Fischerboot.
Seit dem Jahr 2001 überarbeitet das Übersee-Museum schrittweise seine ständigen Ausstellungen. Den Anfang machte der erste Lichthof mit „Ozeanien – Lebenswelten in der Südsee“ im Jahr 2003. Es folgte 2006 die Ausstellung „Asien – Kontinent der Gegensätze“ im zweiten Lichthof. Wesentliche Aspekte früherer Gestaltungsideen wurden dabei weiterentwickelt – etwa der Ansatz einer integrierten Darstellung der drei Sammlungsschwerpunkte Völker-, Handels- und Naturkunde.
Unter einem Dach
Das Bremer Übersee-Museum öffnete am 15. Januar 1896 als das „Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde“ seine Türen. Gründungsdirektor Hugo Schauinsland präsentierte Ausstellungen, die Wissenschaftler und Laien gleichermaßen ansprechen sollten, die erstmals Mensch und Tier in natürlicher Umgebung zeigten. Seine Leitidee war „Die ganze Welt unter einem Dach“. Schnell entwickelte sich das Haus zu einer Sehenswürdigkeit, die weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt war und es bis heute ist. Heute kann das Haus auf einen Sammlungsbestand von rund 1,2 Millionen Objekten zurückgreifen.
