Ganderkesee - Die Premiere war zugleich eine Abschiedsvorstellung: Bei der ersten Aufführung der diesjährigen niederdeutschen Theatersaison in Ganderkesee begrüßte Hardy Merchel am Freitagabend zum letzten Mal das Publikum in der Aula des Gymnasiums am Steinacker – in der kommenden Woche geht der Mitarbeiter der regioVHS in den Ruhestand.

Merchel, der die Theaterreihe in den vergangenen 15 Jahren immer organisiert und begleitet hatte, dankte den Speelkoppeln, die sich Jahr für Jahr am Programm beteiligen, sowie den Helfern, die ihm zur Seite standen. Mit einem Geschenk verabschiedet wurde er von Axel Lindemann, stellvertretender Schulamtsleiter des Landkreises Oldenburg, der die Bühne im Gymnasium für die alljährlich sechs Aufführungen zur Verfügung stellt.

Mit von der Partie war auch Dr. Wiebke Steinmetz, die bei der regioVHS für die Kulturarbeit zuständig ist – und künftig auch für die niederdeutschen Theaterabende. Sie steige in große Stiefel, würdigte Steinmetz Hardy Merchels Arbeit. Eines werde sich im Übrigen nicht verändern, versicherte sie dem Publikum: Sie beherrsche die plattdeutsche Sprache ebenso wenig wie ihr Vorgänger – „aber ich verstehe es“.

Dann hob sich der Vorhang für die Laienspieler der Speelkoppel Hatterwösch: Ihre Inszenierung der Komödie „Laat de Sau rut“ greift durchaus ernsthafte aktuelle Themen aus der Landwirtschaft – Massentierhaltung und Ernährung – auf humorvolle Art auf. Das Stück aus der Feder von Andreas Wening dreht sich um die Familie Heppner: Während Mutter Karin aus ideologischen Gründen dem Fleischkonsum abgeschworen hat, möchten Mann und Sohn auf ihren regelmäßigen Braten nicht verzichten. Eine Sau im Schuppen sorgt dann für Turbulenzen im Dorf und amüsante familiäre Verwicklungen, über die sich die fast 150 Zuschauer köstlich amüsierten.

Mit dem Publikumsandrang zeigte sich Hardy Merchel bei seinem Abschied höchst zufrieden – zumal mehr als hundert Gäste gleich das Abo mit allen sechs Aufführungen gebucht haben. Weiter geht’s allerdings nicht – wie im Programm angekündigt – schon am kommenden Freitag, denn das Gastspiel der Neestädter Speeldeel wurde auf den 6. März verlegt. Den nächsten Theaterabend bestreitet daher am Freitag, 23. Januar, die Speelkoppel Dötlingen mit der Komödie „Je oller, je doller“ – ob dieses Stück bewusst für Hardy Merchels Ruhestand ausgewählt wurde, ist nicht bekannt.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)