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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bilanz: Ist das Salzburger Experiment geglückt?

28.08.2020

Salzburg „Nun ist Geselligkeit am End“, heißt es im „Jedermann“, als der Tod den „reichen Mann“ beim Festbankett ereilt. In Zeiten der Pandemie wurden diese Worte in makabrer Weise aktuell und hätten um ein Haar auch die einhundertste Saison der Salzburger Festspiele vereitelt. Doch das weltgrößte Musik- und Theaterfestival konnte stattfinden, wenn auch stark zusammengestutzt und unter strengen Hygienevorgaben.

Unter Beobachtung

Bis kurz vor Ende der modifizierten Jubiläumsfestspiele am Sonntag – wegen der mehrtägigen Inkubationszeit sollte man vor einer abschließenden Bilanz ehrlicherweise noch ein paar Tage dazuzählen – gab es keinen Corona-Ausbruch in Salzburg. Mit ein wenig Vorsicht kann man das riesige Feldexperiment als bemerkenswerten Erfolg betrachten, der von Kulturinstitutionen in aller Welt aufmerksam beobachtet wird.

„Kultur ist systemrelevant“ – diesen Satz hämmerte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler immer wieder den Politikern ein, zuletzt bei der Festaufführung des Festspiel-Dauerbrenners „Jedermann“. Hier saßen die Bundespräsidenten von Deutschland und Österreich, Frank-Walter Steinmeier und Alexander Van der Bellen, im Publikum.

Wenn nach der Sommerpause auch in Deutschland die Theater wieder öffnen, können Intendanten und Konzertmanager möglicherweise auf das Salzburger Experiment verweisen und die Frage stellen, warum beispielsweise in der Bayerischen Staatsoper in München weiterhin nur 200 Karten verkauft werden dürfen, während im Großen Festspielhaus mit seinen 2400 Plätzen schon bis zu 1000 Gäste die Ränge bevölkerten.

Natürlich huldigte man in Salzburg nicht nur der eigenen Geschichte, sondern auch dem infolge der Pandemie arg gerupften Beethovenjahr. Zum 250. Geburtstag des Meisters gab Maestro Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern eine konservativ musizierte „Neunte“ mit ihrer „Ode an die Freude“, während der noch recht junge Pianist Igor Levit mit viel Körpereinsatz den Mount Everest sämtlicher Beethovenscher Klaviersonaten erstürmte.

Programm ohne Pausen

Weil in dieser Festspielsaison wegen des Infektionsschutzes nur Programme ohne Pause geboten wurden, fiel das sonst übliche „Sehen und gesehen werden“ diesmal unspektakulär aus. Nur der Prominentenauflauf bei der Festaufführung des „Jedermann“ und Anna Netrebkos Galakonzert erinnerten an die Zeiten vor der „neuen Normalität“. In der Saison 2021 sollen all jene Werke präsentiert werden, die in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer fielen. Ob es auch eine Neuauflage der begehrten Festspielmasken geben wird, muss sich zeigen.

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