SANDKRUG - 14 Monate nach der Geburt von Tochter Nike möchte Julia Wagner wieder arbeiten. Eine Stelle in Oldenburg hatte die Sandkrugerin schnell gefunden. In Teilzeit kann sie dort aber nur die ersten Monate arbeiten. Also begann sie mit der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für die kleine Nike. Doch die gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Bis 17.30 Uhr abends müsste Nike betreut werden, die Krippen in der Gemeinde sind aber nur bis 13.30 Uhr geöffnet. Zwar hat sich der Schul-, Bildungs- und Kulturausschuss am Montagabend für Öffnungszeiten bis 15 Uhr in der neu geplanten Krippe an der Ev. Kindertagesstätte in Sandkrug ausgesprochen und genau dort wurde Julia Wagner auch ein Platz für Nike in Aussicht gestellt. Aber die Zeit bis 17.30 Uhr muss sie immer noch überbrücken.
Das wird vermutlich auch so bleiben, den nach Informationen der Gemeinde gibt es bisher nur die Anfrage von Julia Wagner nach längeren Betreuungszeiten. „Wenn es irgendwann tatsächlich mehr Eltern gibt, die längere Zeiten brauchen, werden wird das mit der Politik umzusetzen versuchen“, verspricht Bürgermeisterin Elke Szepanski.
Noch bevor der Krippenplatz wahrscheinlich war, hatte Julia Wagner sich auch nach einer Tagesmutter umgesehen und dabei eine überraschende Erfahrung gemacht: „Der Landkreis Oldenburg würde mir für die Betreuung meiner Tochter bei einer Tagesmutter 65 Cent Zuschuss pro Betreuungsstunde zahlen“, erklärt sie. In der Stadt Oldenburg oder im Landkreis Friesland, so lauteten Informationen der jungen Mutter, würde sie mindestens drei Euro Zuschuss bekommen.
Diese Informationen bestätigten Nachfragen derNWZ
nur zum Teil. Im Landkreis Friesland, wo sich Julia Wagner auch um eine Stelle beworben hat, wird die Betreuung durch Tagesmütter, ähnlich wie im Landkreis Oldenburg gestaffelt nach dem Einkommen der Eltern bezuschusst und die Zuschüsse würden ähnlich ausfallen.Wie Claudia Zuchgan vom Landkreis Oldenburg erklärt, fördert der Kreis die Betreuung durch eine Tagesmutter gestaffelt vom Minimum, eben 65 Cent, bis zum Maximum von 3,34 Euro.
In der Stadt Oldenburg stellt sich die Situation tatsächlich anders dar: Dort bekommt eine qualifizierte Tagesmutter je nach Betreuungsdauer bis zu 3,50 Euro pro Kind und Stunde. Die Stadt übernimmt mindestens 75 Prozent von dieser Summe – unabhängig vom Einkommen der Eltern.
Für Julia Wagner ist das ein klarer Standortnachteil für den Landkreis Oldenburg. „Klar, hier sind die Bauplätze billiger und die Hundesteuer ist auch niedriger, aber für Familien mit Kindern ist das schon ein riesiger Nachteil“, sagt sie. Außerdem ärgert sich die junge Mutter über die vielen unterschiedlichen Informationen, die sie bei ihren Nachfragen bekommen hat.
Dieses Problem kennt auch Edeltraud Helms, Vorsitzende des Vereins Tagesmütter für Delmenhorst, Stadt und Kreis Oldenburg. Sie hat ständig mit den verschiedenen Regelungen zu tun und ärgert sich häufig darüber. „Wenigstens die aneinander grenzenden Städte und Kreise sollten sich auf eine einheitliche Lösung einigen können“, findet sie.
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