SANDKRUG - SANDKRUG/PB - Mit stehendem Applaus bedankte sich das Publikum, als die sechs Sänger des Vokalensembles „Harmonie“ aus St. Petersburg sich nach der zweiten Zugabe mit dem Lied „Guten Abend, gute Nacht“ endgültig von ihnen verabschiedete. Zuvor hatten die Freunde russischer Chormusik in der Sandkruger St. Ansgar-Kirche über eineinhalb Stunden einen musikalischen Hochgenuss geistlicher und weltlicher russischer Chormusik aus drei Jahrhunderten erleben dürfen, der sie begeisterte und sie nach jedem Beitrag zu lang anhaltendem Beifall veranlasste.
Die russischen Ausnahmesänger um Dirigent und Komponist Alexander Andrianov überzeugten durch ihr kultiviertes Stimmenpotential, die Schönheit der Stimmen sowie ihr umfangreiches Klangspektrum. Den hohen Kontratenor des Dmitri Egorov, den 1. Tenor Maxim Mostovoi, den 2. Tenor Boris Karandassov, den Bariton Jouri Stepanov und die Bässe von Ilia Mikhailenko und Alexander Andrianov erlebte das Publikum als Solisten und im Gesamtklang des Ensembles. Die ausgefeilte, differenzierte und nuancenreiche Vortragskultur ließ zudem jeden Gesangsbeitrag zu einem Erlebnis werden.
Im ersten Teil des Konzertes trug der Chor sakrale russische Lieder vor. Dazu gehörte ein Kirchengesang aus dem 15. Jahrhundert, der „Göttliche Donner“ eines anonymen Komponisten aus dem 17. Jahrhundert und die Eigenkomposition von Alexander Andrianov „Lobe den Herrn meine Seele“, bei der als Solist Ilia Mikhailenko überzeugte.
Der weltliche Liederzyklus umfasste einen „Klagegesang“ aus dem 18. Jahrhundert mit Maxim Mostovoi als Solist, eine humorige „Serenade von vier Kavalieren für eine Dame“ sowie russische Volkslieder wie „Oh du weite Steppe“, die Zigeunerromanze „Schwarze Augen“ (Solist Jouri Stepanov) oder „Eintönig klingt das Glöckchen“, bei dem Kontratenor Dmitri Egorov sein großes Können demonstrierte.
Die bekannte Ballade vom Kosakenhauptmann „Stenka Rasin“ beendete das Konzert. Mit der ersten Zugabe „Sah ein Knab ein Röslein steh´n“ (Melodie von Franz Schubert, Text von Johann Wolfgang von Goethe) zeigten sich die Sänger auch im deutschen Liedgut zu Hause. Dmitri Egorov brillierte erneut mit seiner klangreinen Tenorstimme.
