SANDKRUG - „Billabong“ bedeutet in der Sprache der Aborigines „Wasserloch“. Für Angelika Borchardt ist ihr Atelier eine Quelle der Kreativität.

Von Stephan Onnen

SANDKRUG - Mit einer Raspel bearbeitet Angelika Borchardt einen 50-Kilo-Koloss aus Speckstein. Langsam kommen glatte Konturen zum Vorschein. „Schöne, weiche Formen“ schätzt die 44-jährige Sandkrugerin an ihrem Material. Dabei entstehen oft „abstrakte Sachen, die ins Organische übergehen“, beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit. Von Speckstein ist sie seit 1987 fasziniert: Nach der Uni – sie hat Kunst, Textiles Gestalten, Pädagogik und Germanistik studiert – hat sie begonnen, sich mit diesem Material zu beschäftigen: „Daran kann man sich richtig abarbeiten.“

Das tut Angelika Borchardt seit 1994 als freischaffende Künstlerin, den Schwerpunkt legt sie auf Bildhauerei. Im vergangenen Herbst hat sie ihr eigenes Atelier an der Straße Wiemerslande eröffnet. Die naturnahe Umgebung mit alten, hohen Bäumen und einem weiten Blick über das Huntetal ist für sie Inspiration und Quelle ihrer Kreativität. Nicht von ungefähr hat die Künstlerin ihrem Atelier den Namen „Billabong“ gegeben. Das Wort stammt aus der Sprache der australischen Ureinwohner. Für die Aborigines bedeutet es „Wasserloch“. Und was hat ein Wasserloch mit Kunst zu tun? „Wasser gibt in der Wüste überlebensnotwendige Kraft“, erläutert die in Melbourne geborene Angelika Borchardt. Im übertragenden Sinne sei damit gemeint, dass man in dem Atelier durch das Ausüben und Erlernen verschiedener Künste und Handwerkstechniken neue Kraft und Energie schöpfen könne.

Angelika Borchardt möchte ihr Atelier mit einem kultur- und kunstpädagogischen Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene öffnen. Lehrtätigkeit ist ihr seit vielen Jahren vertraut: Sie hat beim Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft mit jungen Leuten gearbeitet, sie gibt Kurse für mehrere Volkshochschulen. Malen, Zeichnen, Gestalten mit Ton, Gips und Papier, Bildhauern mit Stein und Holz sowie der Bau von Marionetten – all’ das soll künftig unter ihrem Dach in Sandkrug stattfinden. Kurse mit Ausrichtung auf plastizierende Techniken werden überwiegend von ihr selber geleitet, den Unterricht im Bereich der Malerei geben freiberufliche Dozenten. Informationen zum Kursangebot gibt es bei ihr unter 04481/980458.

Anfang Mai möchte Angelika Borchardt das Atelier „Billabong“ mit einem „Tag der offenen Tür“ vorstellen. Neben der Sandkruger Bildhauerin werden dabei Künstlerinnen wie die Goldschmiedin Anja Rieken sowie die Malerinnen Maike Diesner und Doris Seinsch ihre Werke ausstellen.