SANDKRUG - Giulia Weeber vereint Talent, Intelligenz und Disziplin. Die Klavierlehrerin muss die Achtjährige in ihrem Eifer manchmal bremsen.

Von Stephan Onnen

SANDKRUG - Wenn Klavierlehrerin Halina Waloschek über die achtjährige Giulia Weeber spricht, gerät sie regelrecht ins Schwärmen: „Giulia zieht alle in ihren Bann. Sie ist ein sehr intelligentes Kind und für ihr Alter ungewöhnlich diszipliniert“, lobt sie ihren Schützling. Diese Tugenden – gepaart mit außergewöhnlichem Talent – hat die junge Sandkrugerin jetzt bei einem internationalen Musikwettbewerb in Paris unter Beweis gestellt: Sie belegte beim „Concours Musical de France“ in ihrer Gruppe, in der sich 50 ausgewählte Kinder aus ganz Europa, den USA und Kanada miteinander maßen, den ersten Platz. Giulia erhielt in ihrer Leistungsklasse das Diplom „sehr gut“.

Begleitet wurde sie von ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern – die Familie nutzte Giulias Auftritt zu einem Kurzurlaub in der französischen Hauptstadt. „Wenn Du etwas erreichen solltest, ist das toll – wenn nicht, ist es ein schönes Abenteuer“ – diese Marschroute hatte Halina Waloschek ihrer begabten Elevin mit auf den Weg nach Paris gegeben. Dass daraus ein Triumph wurde, erfuhr die Familie erst, als sie bereits wieder zuhause in Sandkrug war. Denn das Gala-Konzert, auf dem die Sieger bekannt gegeben wurden, fand abends statt. Und weil Giulias Vater bereits am nächsten Morgen zurück an seinem Arbeitsplatz erwartet wurde, musste die Familie abreisen, ohne zu wissen, ob Giulias Klaviervortrag der „Novelette“ von Gurlitt die Jury überzeugt hatte. Das „gute Gefühl“, das die Achtjährige hatte, trog nicht: Am Tag nach dem Wettbewerb erhielt ihre Klavierlehrerin einen Anruf aus Paris mit der frohen Botschaft. Ebenfalls mit ,sehr gut‘ bewertet wurde Giulias Mitschülerin Johanna Oncken

(10) aus Sande.

Um sich in Paris der Konkurrenz stellen zu können, hatte sich Giulia eine Woche vorher in Brüssel qualifiziert. Halina Waloschek bekommt für ihre Schüler aus der ganzen Welt Einladungen zu Musikwettbewerben – in Brüssel hatte sie erst am letzten Tag der Anmeldefrist zugesagt. Zur Anmeldung entschloss sich die Klavierlehrerin, nachdem Giulia enttäuscht gewesen war, dass sie nach ihrem 1. Preis im Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ aufgrund ihres zarten Alters noch nicht am Landeswettbewerb teilnehmen durfte. Giulia hatte nur fünf Wochen Zeit, um das von der Brüsseler Jury geforderte Pflichtstück auswendig zu lernen. In der belgischen Metropole gewann die Achtjährige dann als einziges Kind sowohl in der Kategorie der „Anfänger“ als auch in der Gruppe der „Fortgeschrittenen“.

Seit zwei Jahren hat sie Klavierunterricht bei Halina Waloschek in Sande – manchmal muss die Lehrerin ihre Schülerin in ihrem Eifer regelrecht bremsen. Bis September vorigen Jahres wohnte die Familie in Diekhausen, seit dem Umzug nach Sandkrug bringen die Eltern ihre Töchter – auch Giulias sechsjährige Schwester hat mit dem Unterricht begonnen – einmal in der Woche, vor Wettbewerben zweimal, zur Klavierstunde nach Sande.

Weitere Wettbewerbsteilnahmen sind in diesem Jahr nicht geplant. „Kinder müssen nicht für die Bühne trainieren. Sie sollen Zeit haben zum Spielen und für Kontakte zu Gleichaltrigen. Das Lechzen nach Preisen tut der Entwicklung nicht gut“, sagt Halina Waloschek.