SANDKRUG - „Wir brauchen noch mehr Stühle!“ Ein Satz, den man vor Beginn der Premierenvorstellung des Circus Sternchen am vergangenen Sonntag nicht nur ein Mal zu hören bekam, denn bereits um 16.30 Uhr, eine halbe Stunde bevor der Vorhang gelüftet werden sollte, war die Veranstaltungshalle der Waldschule rappelvoll. Alle wollten die Artistinnen und Artisten der Zirkusschule sehen, diesmal in Form einer ganz traditionellen, normalen Darbietung – oder doch nicht?

Normal fing es an, ja. Der Zirkusdirektor begrüßt das Publikum, kündigt die jeweilige Nummer an, alles läuft nach Plan. Doch plötzlich ist die Manege voller dunkler Gestalten, die am laufenden Geschehen teilhaben wollen. „Zirkus im Circus“, wie der Titel des Zirkustheaterstückes schon sagt. Es geht um Ablehnung, Auflehnung, Freundschaft und Toleranz. „Das Meiste haben sich die Kinder eigenständig erarbeitet“, sagt Trainerin Anne Mai Chau (25) stolz. „Ich bin immer wieder überrascht, wie kreativ und sicher sie letzen Endes auch in der Umsetzung sind.“

Neben den sportlichen Fähigkeiten, wie etwa dem Turnen am Trapez, der Jonglage oder sogar Seilspringen auf einem riesigen Ball, ist es für Organisatorin Anke Rinne besonders wichtig, auch den kulturellen Aspekt des Zirkus zu vermitteln: „Ich würde fast sagen, dass der sportliche Teil der weniger wichtige ist. Zirkus ist Kultur. Es geht darum, dem Publikum eine Geschichte zu erzählen, Emotionen zu zeigen. Man könnte es auch als eine Art Kunst betrachten.“

„Ich finde es faszinierend, wie viel Mut die Kinder beweisen. So hoch oben an einem Vertikalseil zu turnen ist schon etwas Besonderes. Auch das Thema und die abwechslungsreichen Choreographien gefallen mir gut“, meint der 35-jährige Maksim Moor, der schon viele Auftritte der Sternchen gesehen hat.

Selbstverständlich war es auch für die Artisten wieder ein spannendes Ereignis, egal, ob für die neu gebildete Gruppe um die jugendlichen „Sterne“, als auch für die kleinen „Sternchen“. Die 14-jährige Nele Wiemers ist schon seit der Gründung der Zirkusschule vor etwa fünf Jahren dabei und freut sich vor allem darüber „endlich Luftakrobatik ausprobieren zu können. Wenn wir uns freitags zu den Proben treffen, ist das immer meine erste Station.“

Wie und ob sich der ganze Tumult in der Manege auflöst, können sich Interessierte zumindest in Teilen auf dem Kreiskinderkulturfestival in Ahlhorn Ende Mai anschauen.

„Jede Vorstellung ist ein Highlight auf dem Weg zu Kreativität, Ausdruck, Fantasie, Eigenverantwortung und vor allem Teamgeist“, so Rinne. Und genau deshalb musste die „Zirkusfamilie“ nach dem Auftritt schnell die Sachen packen: am Montag waren sie schon in der Grundschule Huntlosen zu sehen.