Sandtange - „Who’ll stop the rain?“ spielt am frühen Abend das Trio „Big Three“ – und irgendwie fragen sich das am Samstag fast alle. Die Antwort: Keiner, aber unterkriegen lassen sich weder die 300 Besucher noch die Organisatoren von „Woodstock lebt!“.

Bis ein Uhr nachts wird auf und vor der Bühne gerockt, die zwischen Maisfeld, Landebahn und Hangar auf dem Flugplatz Hatten am Wulfsweg aufgebaut worden ist. Besonders Hartgesottene tanzen sogar ganz bewusst in den Pfützen. Woodstock lebt.

Dabei sieht es um 16 Uhr am Samstag noch eher nach einem kurzen Schauer aus. „Nobody’s Child“, eine Band aus Oldenburg, die sich vor einem Jahr erst gegründet hat, – extra wegen des Hatter Events, wie der Sprecher des Orga-Teams Bernd Tietzel in seiner Eröffnung erwähnt – gibt alles und holt sogar die „Vierteltöne“ raus: einen 20 Stimmen starken Chor. Doch trotz „Let the Sunshine in“ legt der Regen jetzt erst so richtig los.

„Wir wären gerne noch länger geblieben und hätten Euch länger die Ohren kaputt gemacht“, bedankt sich nach dem knapp zweistündigen Auftritt Sänger Joachim Kuper. Danke haben da auch schon Bürgermeister Christian Pundt und Flugplatzteilhaber Harald Rossol beim Publikum, den Organisatoren und Helfern gesagt. Viele Besucher haben sich in Schale geworfen: Sie beweisen, dass Kopftücher, Batikhemden, alte Jeans auch 2019 sehr kleidsam sind. Wer mag, kauft im Hangar noch weitere Devotionalien – Luftgitarren, Peace-Symbole und Blumenbänder sind im Angebot.

Die Pause bis zum nächsten Act nutzen vor allem die Camper unter den Besuchern, um sich etwas Trockeneres anzuziehen. Rund 50 Stellplätze sind, gut 100 Meter vom Konzertgelände entfernt, belegt. Vom kleinen Iglu-Zelt bis zum geräumigen Campingwagen reicht die Palette. Veronika Hillenstedt ist beispielsweise aus Wardenburg mit Freunden gekommen und übernachtet in einem historischen Campingmobil, wie sie verrät. „Wir wollen das volle Festival-Gefühl genießen“, sagt sie.

Am frühen Abend stehen „Big Three“ auf der Bühne, werden für ein paar Lieder sogar zu „Big Four“. Elisabeth Erlemann („Texas Heat“) interpretiert mit den Männern Janis-Joplin-Klassiker – eine bessere Hommage an das Woodstock-Original vor 50 Jahren kann es nicht geben. Musikalisch geht es in der Samstagnacht mit DJ Carsten und der „ CCR-Revival Band“ weiter. Das Original war am 17. August 1969 in Woodstock mit dabei, die Coverversion gibt es seit 1997. Das routinierte Quartett beweist viel Kondition und Spielfreude, erst weit nach Mitternacht ist Schluss.

Am Sonntag um 10.30 Uhr beginnt Teil zwei des 24-Stunden-Events. „Gordon“ unterhält die Besucher – ein paar frühstücken noch – im Hangar mit exzellentem, dreistimmigem Gesang und Akustik-Elektrik-Rock. Skarabäus und danach die Rocking Pilots, die alte Flugplatzband mit Eberhard Born (Gitarre und Keyboard), Dieter Gerdes (Bass), Eugen Maus (Drums) und Hannes Friedeberg (Gitarre), übernehmen die Rolle des Rausschmeißers. Um 16.15 Uhr ist endgültig Schluss.

Zeit für ein kurzes Fazit: 350 zahlende Gäste sind etwas weniger als die 400, mit denen das Team minimal gerechnet hatte. Positiv: der gute Sound im und vorm Hangar und die stabile Technik, die selbst vor starkem Regen nicht kapitulierte. Vor zwei Jahren war wegen des Jubiläums die Idee zu dem zweitägigen Woodstock-Event entstanden. Ob und wie es jetzt weitergeht? Erst mal soll eine Manöverkritik folgen, heißt es. Nur eines steht wohl jetzt schon fest: Das Event auf dem Flugplatz wird keine Eintagsfliege bleiben.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten