SATERLAND - Seit zehn Jahren wird das Familienfest im Saterland gefeiert. Spiele wie „Tiddeltop“, „Pougestoul“ und „Knikkerje“ kommen auch bei den heutigen Kindern super an.

Von Sven Kamin

SATERLAND - „Je größer die Kerbe ist, desto lauter ist der Ton, den man mit der Flöte machen kann“, erklärt Hans Meyer den staunenden Kindern. Mit großen Augen stehen die Mädchen und Jungen um Hans Meyer und die anderen Männer herum die beim Torfwerk mit geschickten Händen und scharfen Klingen, Flöten, oder auf Saterfriesisch „Floitepiepe“ aus frischen Zweigen der Eberesche schneiden.

„Es muss unbedingt Eberesche sein“, sagt Meyer, „weil man nur bei diesen Zweigen die Rinde losklopfen und in einem Stück als Röhrchen abstreifen kann.“ Dabei verraten seine leuchtenden Augen, mit wie viel Freude der mehrfache Großvater dieses Spielzeug seiner Kindheit an die Kinder von heute weitergibt.

Einen Tisch weiter werden auch die Großmütter wieder zu kleinen Mädchen, als sie für ihre Enkelinnen Blumenkränze knüpfen.

Bereits seit zehn Jahren haben es sich die Freunde des Saterfriesischen zur lieben Gewohnheit werden lassen, Großeltern auf einem gemeinsamen Fest ihren Enkeln die Spiele ihrer Jugend zu zeigen. „Wir sind immer wieder glücklich darüber, wie gut diese Veranstaltung angenommen wird“, freut sich Wilhelmine Espeter. Obwohl: „Selbst wenn man vorher schon auf dem Papier weiß, wer alles kommt, ist es doch immer ein ebenso schönes wie mulmiges Gefühl, wenn 50 Großeltern mit 20 Enkeln hier auflaufen“, strahlt Espeter.

Zusammen mit Agnes Rieger, im Kindergarten Pusteblume, sowie Maria Hüntling, Elisabeth Immer, Renate Brinkmann, die mit Espeter den St.-Jakobus-Kindergarten betreuen, bringt sie den Jüngsten ehrenamtlich Saterfriesisch bei. Einmal im Jahr organisieren die fünf auch das Familienfest, auf dem in diesem Jahr auch Bürgermeister Hubert Frye dem Kind im Manne freien Lauf ließ und mit den Jüngsten beim „Knikkerje“ um die Wette Murmeln schoss.

Das satte Grün der Pflanzen, der Duft von glühenden Kohlen und frisch geschnittenen Zweigen schuf zusammen mit dem fröhlichen Kinderlachen eine solch idyllische Atmosphäre, dass sich nicht nur die Kindergartenkinder wie zu Besuch bei den Großeltern gefühlt haben dürften.

Dass zudem die Spielzeuge von früher auch ohne viel Geld zu kosten die Fantasie und den Spieltrieb der Jüngsten anregen können, zeigte neben dem Flötenschnitzen auch „Tiddeltop“, also das Kreiseldrehen mit der Peitsche. Außerdem zeigten die Großmütter ihren Enkeln wie man aus Binsen („Rääske“) mit viel Geschick kleine Möbelstücke auf denen wie es heißt Frösche Platz nehmen könnten („Pougestoul“). Auch dies begeisterte die Kinder.