SATERLAND - „Es bleibt ein Kampf“, sagt Heinrich Pörschke mit einem Lächeln. „Aber es lohnt sich“, fährt der 1. Vorsitzende, der Boas, des Heimatvereins Seelter Buund fort. Vor zehn Jahren, am 16. September 1998, trat die Europäische Charta für Regional und Minderheitensprachen in Deutschland in Kraft. In ihr wurde der Zustand der deutschen Minderheitensprachen vom Sorbischen bis eben hin zum Saterfriesischen dokumentiert. „Die Unterzeichnung des Dokumentes war jedoch nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern sie garantiert auch gleichzeitig, dass die jeweilige Sprache unter diesen Stand nicht zurückgeht“, erklärt Pörschke. Das bedeute zum Beispiel, dass wenn es einmal, im Widerspruch zur Charta, keine Lehrer für Saterfriesisch mehr geben sollte, sich die Bundesrepublik, in diesem Fall das Land Niedersachsen, darum kümmern müsse, dass es wieder welche gibt, sagt Pörschke.
Schon alleine deshalb, so Pörschke, habe sich der lange Weg zur Charta gelohnt. „Doch der war steinig“, erinnert sich der Boas. „1993 haben wir damit begonnen, die Aufnahme in die Charta vorzubereiten. Und dann erzählt Pörschke von langen Abenden, die Pörschke, Theodor Griep und der Nordfriese Jacob Tholund zusammensaßen und überlegten, wie sie die 35 Grundkriterien für die Charta mit Saterfriesisch erfüllen könnten. Bisweilen sei es dabei zu geradezu grotesken Szenen gekommen. So sehe die Charta vor, dass zum Beispiel auf Ortsschildern die Minderheitensprache auftauchen muss. Die Verhandlungen darüber mit den zuständigen Stellen in Hannover erwiesen sich jedoch als schwierig. Nicht zuletzt weil der damalige niedersächsische Kulturminister Thomas Oppermann gefunden haben soll, dass zweisprachige Ortsschilder die Autofahrer verwirren und ein Verkehrsrisiko darstellen.
Nach unzähligen Anträgen, die der Jurist Heiner Griep ebenfalls zweisprachig gestellt hatte, kam es schließlich zur letzten entscheidenden Prüfung in der Staatskanzlei Hannover. Auch daran erinnert sich Heinrich Pörschke noch gut: „Saterfriesisch-Professor Marron Fort saß vorher mit uns da und hat uns jedes einzelne Sprachkriterium abgefragt. ,Habt ihr auch Urkunden auf Seeltersk?’ Na klar hatten wir die“, sagt Pörschke schmunzelnd.
Insgesamt zieht Pörschke nach zehn Jahren eine positive Bilanz der Charta. „Durch die Charta werden wir jetzt in unserer Arbeit von der Bundesrepublik unterstützt. Die Sprache war immer schon da, aber seit zehn Jahren sind wir auch wer“, freut sich der Boas. So habe der Seelter Buund 2002 den Bahnhof Scharrel nur als Kulturhaus erwerben können, weil er dabei mit etwa 150 000 Euro staatlichen Mitteln unterstützt wurde. „Auch die finanzielle Unterstützung von 10 000 Euro für unsere Lehrer läuft langsam an“, sagt Pörschke.
Und dennoch bleibt es ein Kampf: Einmal im Jahr fährt Pörschke zu den Charta-Monitoring-Sitzungen nach Berlin. Dort müssen die Vertreter der jeweiligen Minderheitensprachen den EU-Beobachtern berichten, welche zugesagten Unterstützungen durch die Bundesrepublik inzwischen umgesetzt würden und welche nicht, so Pörschke: „Im Zweifel macht die EU den zuständigen Stellen dann Druck. Denn eines ist klar: Die Charta garantiert die Unterstützung und den Fortbestand der Saterfriesischen Sprache.“
saterfriesisch
Das Saterland
gilt offiziell als die kleinste Sprachinsel Europas.Noch etwa
1000 bis 2500 Menschen sprechen aktiv Seeltersk.Seit 1998 ist
Seeltersk offiziell als Minderheitensprache anerkannt.Diese neue NWZ -Serie gibt in loser Folge Einblicke in die saterfriesische Sprache und die Kultur des Seeltersk.
