Wildeshausen - Tommy Schneller verlässt die Bühne. Was macht er denn jetzt? Mit seinem Saxofon marschiert der Frontmann der gleichnamigen Band durch den Saal der Kreismusikschule. Er flirtet mit den Zuschauern, während seine sechs Bandmitglieder ihm mit einem satten Sound den Rücken frei halten. Mal in den weichen tiefen Tenorlagen, mal mit höhen Tönen umgarnt der Bluesmann die Frauen.

Mit Blues, Soul und Funk im Gepäck war die Tommy Schneller Band am Freitagabend aus Osnabrück gekommen und bescherte den Jazzfreunden Wildeshausen einen groovigen Geburtstag zum 20-jährigen Bestehen des Vereins.

So lange ist Jörg Skrzippek (53) auch Vorsitzender der Jazzfreunde. „Mit Jazz verband ich früher immer Modern- oder Freejazz aus dem Nachtprogramm im Fernsehen. Das hat mich nicht begeistert“, erinnert sich der Wildeshauser an die 80er Jahre in seiner Heimatstadt Leer. Doch als er auf Einladung eines Freundes 1992 in Westoverledigen eine US-Allstars-Oldtimeband hörte, war Jörg Skrzippek begeistert. „So etwas will ich auch in Wildeshausen hören, das passt zu Wildeshausen“, habe ich damals gesagt. Seit 1991 lebt er hier. Seine Lieblingsband zu der Zeit war „Kool & the Gang“.

Das erste Konzert, das Skrzippek in Wildeshausen organisierte, lief nicht so toll. „Doch ich wurde immer wieder angesprochen, einen Verein zu gründen.“ So trafen sich schließlich am 16. September 1994 zehn Personen und hoben die Jazzfreunde Wildeshausen aus der Taufe.

In den ersten Jahren gab es sechs Konzerte im Jahr, später acht, seit zwölf Jahren bieten die Jazzfreunde bis zu 14 Konzerte an. Ein Teil findet im historischen Rathaussaal statt, der andere im größeren Saal der Musikschule. „Alle zwei Jahre gönnen wir uns eine US-Allstars-Band“, sagt Skrzippek. Der Verein hat 65 Mitglieder. 80 bis 100 Zuschauer kommen pro Konzert. Ohne Sponsoren kommt der Verein aber nicht aus.

„Künftig wollen wir uns mehr dem Blues öffnen“, blickt Jörg Skrzippek nach vorne. Er schaut auch auf das Publikum. „Uns fehlen die jüngeren Leuten. Das geht vielen Jazzvereinen so.“ Die Tommy Schneller Band hätte alle mal auch jüngeres Publikum verdient; denn auch Hip-Hop, Pop oder Rock haben ihren Ursprung im Blues.

Tommy Schneller und Jungs stellten am Freitagabend Songs aus ihren 2011er Album „Reason for a lady“ und Stücke der neuen Scheibe „Cream of the crop“ vor. Teilweise kam dabei eine Leichtigkeit über, die die zumeist älteren Zuhörer an die 60er und 70er Jahre erinnert haben dürfte und zweifelsohne auch jüngeren Leuten einen Ohrenschmaus beschert hätte.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg