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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Bühnenmatsch ins vorgewärmte Zelt

03.04.2019

Scheeßel „Der Waschbär“, heißt es in der zehnbändigen zoologischen Enzyklopädie „Illustriertes Thierleben“ von Alfred Edmund Brehm von 1863, „ist durch seine Zutraulichkeit, Heiterkeit, die ihm eigene Unruhe, die niemals endende Lust an der Bewegung sowie sein komisches, affenartiges Wesen den Leuten angenehm.“ Trefflich gewählt, möchte man sagen, ist also das Wappentier des diesjährigen „Hurricane Festivals“ in Scheeßel (21. bis 23. Juni) mit dem Blick auf die vielen fröhlichen Konzertbesucher. Andererseits sagt man diesem putzigen Raubtier eine ausgeprägte Reinlichkeit nach, was bei den Festivalbesuchern an diesen drei tollen Tagen spürbar in den Hintergrund rückt.

Wie der Waschbär ist der Festival-Besucher längst domestiziert. Das Stichwort lautet „Vollversorgung“. Ebenso ausführlich wie das Line-up 2019 der mehr als 100 Bands mit Foo Fighters, Toten Hosen, The Cure und Mumford and Sons als musikalische Zugmaschinen liest sich mittlerweile auch die Übersicht in den Bereichen Wohnen und Shopping.

Natürlich darf jeder Besucher weiterhin auf dem Gelände am legendären Eichenring seinen Sechserpack Bier und die Dosenravioli zu sich nehmen, um sich anschließend ins windschief aufgestellte Zweimannzelt zurückzuziehen. Man kann es aber auch anders angehen und das musikalische Event als eine Art überlauten Wellnessurlaub betrachten, im eigenen Festival-Supermarkt auf über 2000 Quadratmetern mit rund 400 Artikeln einkaufen gehen und im Resort „Ruf der Eule“ oder „Wolfsrudel“ nächtigen – WLAN inklusive.

Der Druck lastet schwer auf den großen Festivals in Europa. Immer neue Formate verursachen immer mehr Konkurrenz. Das „Deichbrand“ auf dem Seeflughafen Cuxhaven (18. bis 21. Juli) hat sich seit 2005 mit zuletzt 50 000 Fans ordentlich gemausert. Und das spüren auch die Platzhirsche: Etwa 65 000 Musikfans haben 2018 das Juni-Wochenende auf dem Hurricane in Scheeßel verbracht – und damit deutlich weniger als in den Vorjahren. Von dort aus wechselt übrigens das musikalische Bühnenpersonal am selben Wochenende mit dem Hurricane-Zwilling „Southside“ in Tuttlingen unweit des Bodensees durch.

Auch die „Breminale“ am Osterdeich, kleiner, alternativer und finanzschwacher, muss sich gerade neu erfinden. Hamburg dagegen setzt auf urbane Ideen wie das „Reeperbahn Festival“ und „Elbriot“. „Rock am Ring“, lange Zeit der Branchenführer, leidet wechselweise unter Eifel-Unwettern oder Terrordrohungen, aber vor allem unter Besucherschwund.

Und „Wacken“ bleibt längst nicht mehr den Lederkutten und der Interessengemeinschaft Metall vorbehalten. Zudem lässt sich mit Billigfliegern auf die britische Insel zum „Glastonbury Festival“ reisen oder nach Lissabon zum „NOS Alive“ jetten.

Es gibt viele Argumente für die Preisstaffelung mit Tageskarten für 99 Euro und Festivaltickets für 189 Euro: Sicherheit, Hygiene, Logistik, sonstige Dienstleitungen sowie wahlweise herausragenden, passablen oder mäßigen musikalischen Genuss. Am Ende feiern viele Besucher wieder „eine geile Zeit in Scheeßel“ und vor allem sich selbst.

Vielleicht ist es gut so, dass heutzutage nichts mehr dem Zufall überlassen wird – vielleicht aber auch nicht. „Vorbei die Zeiten, in denen man mit Müh und Not eine halbfrittierte Portion Pommes auf dem Konzertgelände bekommen konnte“, schreibt der Veranstalter begeistert über seine „Food Truck-Armada“ einerseits. Andererseits sind die Erinnerungen an kalte Ravioli, warmes Dosenpils und Dauerpfeifen im Ohr auch nicht so schlecht.

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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