Kreyenbrück - Sprachfetzen fliegen durch die Luft – arabisch, kurdisch, persisch. Die 17 Schülerinnen und Schüler der Sprachlernklasse der IGS Kreyenbrück und ihre Lehrerin Nadine Diegel haben Liane Hadjeres von der Oldenburger Schreibwerkstatt zu Gast, die derzeit ein Projekt mit jungen Flüchtlingen und Migranten organisiert. Die Jugendlichen schreiben auf, warum, wie und mit wem sie nach Deutschland gekommen sind, was sie auf der Flucht erlebt haben, wie sie sich hier fühlen, was sie sich für ihre Zukunft wünschen. Auch ein Bild malen sie zum Thema. Weil die Jugendlichen noch nicht in Deutsch schreiben können, helfen Übersetzer und Studierende, die aus den gleichen Ländern kommen.
Mustafa, 16 Jahre alt, hat einen besonders schweren Weg hinter sich. Er floh mit Mutter und Schwester vor den Taliban aus Afghanistan. Im Iran verlor er beide und machte sich allein auf den weiteren Weg. Sein nächstes Ziel war die Türkei, er musste lange Fußmärsche durchhalten. Mit einer anderen Gruppe Flüchtlinge kam er mit einem Boot nach Griechenland. Das war, so sagt er, der schrecklichste Teil der Flucht, weil er Leichen im Wasser sah. Anschließend durchquerte er Bulgarien, Österreich, und endlich kam er in Deutschland an. Insgesamt sei er zwei Monate unterwegs gewesen. Mustafa hat bis heute keine Nachricht, wo seine Mutter und seine Schwester geblieben sind. In Deutschland möchte er Feuerwehrmann werden, „dann kann ich vielen Leuten helfen“, sagt er. Es klingt überzeugend.
Das Ziel des Projektes, das von der Schreibwerkstatt und der Ev. Kirchengemeinde Nikolai gemeinsam umgesetzt wird, ist ein gedrucktes Buch mit allen Texten und Bildern. Geplant ist auch eine Wanderausstellung. Finanziert wird das Projekt von der LzO, der Oldenburgischen Bürgerstiftung und der Aktion Mensch. 65 junge Flüchtlinge und Migranten nehmen teil.
Als Abschluss ist am Sonntag, 18. September, ab 11.30 Uhr im Kulturzentrum PFL eine öffentliche Lesung geplant. Dabei wird das Buch präsentiert und die Ausstellung eröffnet. Dann schwirren wieder verschiedene Sprachen durch den Raum, denn vorgelesen werden Texte in den jeweiligen Heimatsprachen und danach in Deutsch.
