Stockholm - Roxette-Sängerin Marie Fredriksson hat alles: Reichtum, Berühmtheit, eine liebende Familie. Doch dann, im September 2002, bricht „die Hölle los“, wie die Schwedin in der jetzt auf Deutsch erschienenen Biografie „Listen to my heart“ schreibt.
Ihr wird plötzlich schwarz vor Augen, die Ärzte finden den Grund dafür: einen Hirntumor. Viele Jahre kämpft der Star gegen den Krebs an, findet für eine Weile sogar zurück auf die Bühne. Von ihrem Kampf erzählt die 58-Jährige in dem Buch, das gemeinsam mit der Journalistin Helena von Zweigbergk entstanden ist. Besonders Fans der Popband dürften jedes Wort aufsaugen.
Die Schwedin von Zweigbergk hat Fredriksson für das Projekt fast zwei Jahre lang immer wieder getroffen, die Kapitel sind abwechselnd aus ihrer Perspektive und der der Roxette-Sängerin geschrieben. Die Zeit hat von Zweigbergk zum Fan der „unermüdlichen Kämpferin“ gemacht, sie schwärmt von der Energie des Superstars. Andere Wegbegleiter preisen die Popikone als „großes Vorbild“ und „beste Sängerin Schwedens“. Fredriksson selbst ist nicht minder von ihren Qualitäten überzeugt. „Schon früh merkte ich, dass ich die Menschen berührte“, schreibt sie.
Doch die Sängerin lässt auch die dunklen Kapitel ihres Lebens nicht aus. Fredriksson wächst mit vielen Geschwistern im südschwedischen Schonen auf, der Familie mangelt es an Geld. Als sie sieben Jahre alt ist, stirbt ihre Schwester Anna-Lisa bei einem Unfall, der Vater ertränkt seinen Kummer darüber im Alkohol. Er stirbt mit 67 Jahren, erlebt den Erfolg seiner Tochter nicht. Die genießt den ungewohnten Reichtum, kauft sich teure Klamotten. Doch auf Tourneen fühlt sie sich oft einsam und gestresst, trinkt zuviel.
Darüber, wie ihr während der Krankheit zumute ist, berichtet Fredriksson schonungslos. Wie hässlich sie sich fühlt, weil ihr Gesicht durch das Cortison aufgedunsen ist. Wie verzweifelt sie ist, dass sie kaum sprechen kann. Sie habe Jahre voller Leere, Depression und Einsamkeit erlebt. „Ich büßte meine Identität ein. Wurde Krebs. Mehr war ich nicht mehr. Und ich hasste jede Sekunde dieses Daseins.“
Auch ihre Familie belastet die Krankheit. Die Schwedin fühlt sich als schlechte Mutter, weint mit ihrem Mann „Micke“ in der Küche, als die beiden Kinder Josefin und Oscar nicht im Raum sind: „Unsere Tränen fielen leise in die Suppenteller.“
Ihren Mann lernt sie 1991 in Australien lieben, es dauert gerade einmal 48 Stunden, bis er ihr einen Heiratsantrag macht. Spontan sagt die impulsive Sängerin Ja. „Er war der Richtige, das wusste ich. Auf ihn hatte ich gewartet.“
Mit ihrem Bandkollegen Per Gessle habe sie nie mehr als Freundschaft verbunden, beteuert Fredriksson. Die beiden sind sehr unterschiedlich, er pedantisch, sie wild, aber sie finden über die Musik zusammen. Dass er wieder auf Tour gehen will, als sie ihren Krebs überwunden hat, ist für sie die „beste Medizin“.
Mit ihm als Roxette auf der Bühne stehen kann die Sängerin nicht mehr, die Schmerzen in ihrem Bein, dem Fuß – Folgen ihrer Krankheit – sind zu groß. Dem Tourleben sagt die Band im April nach 30 Jahren Adé, gemeinsam Musik machen wollen Gessle und Fredriksson aber weiter.
