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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Schier aus dem Kleinen Häuschen

28.10.2009

OLDENBURG Es reicht, ein kleiner Musikkenner zu sein, wenn man Haydn von Tschaikowsky und den wiederum von Schönberg unterscheiden kann. Doch wer hört alle differenzierenden Feinheiten, wenn etwa Michael Korstick Klavier spielt oder Cedric Pescia oder Fazil Say. Das muss ein gewaltiger Kenner sein.

Für solche Fälle ist Heinz Gassenmeier im Vorstand des Vereins der Musikfreunde Oldenburg (VMO) zuständig. Er fahndet nach den Künstlern für die Reihe „Große Pianisten im Kleinen Haus“. Seit zehn Jahren ist das eine Erfolgsgeschichte, stets ausverkauft. Am 7. November 1999 trat im Staatstheater der erste „Große“ auf, Rolf Plagge, bodenständig aus Westerstede, aber längst auf allen Kontinenten gefragt.

Auch Gassenmeier hätte beinahe nicht nur im Hintergrund die Töne angeschlagen. Er gewann den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Klavierduo. „Da haben wir sogar Lars Vogt geschlagen“, erinnert er sich.

Doch seine Grenzen erkannte er schnell: „Mit zwölf Jahren habe ich viel zu spät angefangen, und andere lernten auch schneller.“ So wurde er kein großer Pianist, sondern ein großer Schulmusiker an der Musikschule Oldenburg. Und als sehr guter Pianist besticht er in den Kammerkonzerten im Kleinen Haus.

Doch wann ist ein Pianist ein großer? „Supertolle Techniker gibt es viele“, weiß Gassenmeier. „Aber wir forschen nach dem, was hinter dem Handwerklichen steckt.“ Und da finden sich immer starke Persönlichkeiten, die zwischen den populären Stücken die Nischen besetzen: „Da muss jemand etwas Außergewöhnliches sagen, mit solchen Leuten entwickeln wir unser besonderes Profil.“

Michael Korstick, einer der Wunschkandidaten, kennt den weiten Weg zum Ruhm: Ein Drittel Talent, ein Drittel harte Arbeit, ein Drittel Glück seien die Mischung. Vor 15 Jahren spielte der Kölner als völlig Unbekannter in Hude (Landkreis Oldenburg). Heute gilt er in der Pianistenwelt als bahnbrechender Beethoven-Interpret.

Schon Gassenmeiers Vorgänger als Fährtensucher hatten eine glückliche Hand. Sie mischten Sicheres mit Gewagtem. Fazil Say kam 2000 ins Kleine Haus, als nur wenige den vielseitigen Türken kannten. Bruno Leonardo Gelber spielte 2005, da war der Brasilianer schon seine eigene lebende Legende. Als Nelson Freire 2006 absagte, sprang die „namenlose“ Rumänin Dana Ciocarlie ein – und 350 Oldenburger gerieten schier aus dem Kleinen Häuschen.

„Dort bleiben wir auch“, stellt die VMO-Vorsitzende Constanze Schmidt-Wilkens klar. Sie hat erfahren, was die Gäste an diesem Ambiente so schätzen: das Familiäre, den Charme der Nähe. Immer wieder erzählen ihr die Künstler: „Hier wagen wir ganz andere Sachen als in einem großen Saal!“ Hier flirtete zuletzt Andrej Gawrilow mit dem Publikum.

Der Mut zum Risiko hat den Verein auch im Erfolg nicht verlassen. Lauma Skrides Auftritt am 8. November mag noch für spannende Solidität stehen. Aber dann kommt Alexander Melnikow am 21. März 2010 mit einem Bösendorfer Flügel aus dem 19. Jahrhundert. Und am 25. April 2010 zieht Cedric Pescia Bachs gesamte „Kunst der Fuge“ durch, echt gewagt. Gassenmeier hatte zufällig eine CD des Schweizers mit den Goldberg-Variationen gehört – und war elektrisiert. „Bei Pescia vergisst man sogar Glenn Gould“, schwärmt der Züricher „Tagesspiegel“. Anhören!

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