Elsfleth - Auf der Flucht vor seinen Klassenkameraden betritt Bastian Balthasar Bux das Buchgeschäft des Karl Konrad Koreander. Der Held in Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ taucht fortan ein in die Welt des Buches und lässt sich von Figuren und magischen Gegenständen verzaubern. Nun ist es zwar abwägig, dass im wahren Leben etwa ein Elsflether Student vor seinen Kommilitonen in die Buchhandlung „Leselust“ von Heide Witting-Fries flüchtet. Aber auch die Studierenden tauchen in ihrem Geschäft ein in zumeist spannende Geschichten voller Seefahrt und Abenteuer. Romane aus der Ära der Segelschiffe würden oft nachgefragt, erzählt die 44-jährige Buchhändlerin.

Elsfleth ist mit der Schifffahrt fest verbunden. Ob Hochschule, die Reedereien, die Kaje, das Haus Visurgis und der Dreimaster „Großherzogin Elisabeth“: Sie alle sind prägend für die Stadt. Dass sich dieser maritime Flair auch in ihrem Buchladen niederschlägt, schildert Heide Witting-Fries. Und es sind nicht nur Studenten, die beispielsweise Fachliteratur wie das Handbuch der Nautik erwerben. Historische Romane mit Geschichten über Freibeuter, Expeditionen in ferne Länder und Konflikten auf See sind es, die Kunden gerne lesen. Das sei spürbar, merkt Heide Witting-Fries an.

Die Buchhändlerin führt ihr Geschäft seit einem Jahr an der Steinstraße. In ihrer renovierten „Leselust“ hält sie zwar ein allgemeines Sortiment vor, aber regionale Titel und Neuerscheinungen auch kaum bekannter Autoren stehen ebenfalls in den Regalen. Neben der Schale mit den Buchstabenkeksen auf dem Tresen liegen der Oldenburger Hauskalender, das Wesermarschkochbuch und der Plattdeutsche Kalender nebeneinander. Aber wer kennt schon „Mr. Chartwell“ von Rebecca Hunt? Das sei ein absolut herausragendes Buch, schwärmt sie.

Die Buchhändlerin ist in Brake aufgewachsen. Doch bevor sie ihren Lieblingsberuf ausüben konnte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Es gab damals keine andere Möglichkeit, erinnert sie sich. Ihren Traumberuf lernte sie schließlich bei von Bestenbostel in Nordenham. Danach leitete die Buchhändlerin fast fünf Jahre lang die Grüttefien-Filiale in Brake.

„Es geht mir gut“, sagt Heide Witting-Fries. Doch beim Blick aus dem Schaufester in die verwaiste Steinstraße spricht sie dann doch das Thema Schlecker an. „Es wäre schön, wenn es wieder lebhafter würde“, sinniert sie. Es fehle vor allem für die Jugendlichen an attraktiven Ladenlokalen. Das sei schade. Dass die Elsflether den Handel vor Ort unterstützten, würde einen tragen. „Es gibt eine enorme Treue der Elsflether zu ihren Einzelhandelsgeschäften“, weiß die Geschäftsfrau.

Heide Witting-Fries hat in ihrer Jugendzeit Hanni & Nanni gelesen, sich begeistert in Bücher von Stefan und Arnold Zweig sowie Heinrich Mann vertieft. Prägend sei ihre Mutter gewesen, die ständig gelesen habe, merkt sie an. Dass sich andere Menschen ebenfalls so sehr für Bücher begeisterten wie sie, wäre schön. Und wer weiß, vielleicht verirrt sich ja doch einmal ein Bastian Balthasar Bux in die „Leselust“ an der Steinstraße, um eine fabelhafte Geschichte in Gang zu setzen.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake