Brake - „Hacken in’n Teer!“ So hieß es, wenn das Errichterschiff „Victoria Mathias“ seine vorher berechnete Position erreicht hat. Nach dem Kommando wurden die vier Beine an den Ecken der Schiffsplattform ausgefahren und in den Meeresboden gerammt. Ein Meter pro Minute, so schnell oder eben so langsam, ließen sich die Beine ausfahren. Die Beine selbst wurden von den „Jacking Operators“ oder kurz „Jackos“ bedient. Bei diesen Aktionen hieß es für Susanne Berner immer „aufpassen“. Verließ das Schiff die vorher berechnete Markierung, musste sie mit Hilfe eines Computersystems nachsteuern. Am Donnerstagabend erzählte Susanne Berner, die heute in Elsfleth lebt, in einem lockeren Vortrag von ihrer Zeit auf dem Errichterschiff. Eingeladen hatte das Schiffahrtsmuseum Unterweser ins Haus Borgstede & Becker.
Die genaue Positionierung des Schiffes war nur eine der Aufgaben von Susanne Berner. Die heute 30-jährige Nautikerin war von Mai 2012 bis Januar 2015 an Bord der „Victoria Mathias“ als zweite Offizierin eingesetzt und begleitete den Bau des Windparks „Nordsee Ost“. Wenn das Schiff fest auf seinen Beinen und damit durchaus mal 25 Meter über der Wasseroberfläche stand, übernahm der Bautrupp die Arbeit. Bei jeder Windturbine, insgesamt 48 Stück, im Endeffekt das gleiche Spiel: Erst wurden die so genannten „Jackets“, die Fundamente der Turbinen, befestigt, dann die Turmelemente und zum Schluss die Gondeln mit den Flügeln. Dabei musste die 100 Meter lange und 40 Meter breite „Victoria Mathias“ immer wieder zurück nach Bremerhaven, denn alle Teile auf einmal mitnehmen hätte das Schiff überfordert. Allein die „Jackets“ haben ein Gesamtgewicht von rund 550 Tonnen und eine Gesamthöhe von bis zu 50 Metern, erklärte Berner. Zwei Stück konnte das Errichterschiff maximal laden. Zudem musste das Schiff nach fast jedem Bauabschnitt für ein paar Wochen in die Werft: Das Decklayout musste geändert werden, immer angepasst an die Ladung. „Die Arbeiten an den Fundamenten waren das Schlimmste. Es war einfach laut“, erinnert sich Berner. Das lag an dem riesigen Hydraulikhammer, der die Fundament-Türme in den Meeresboden rammte.
„Im Offshore-Betrieb hat man traumhafte Fahrtzeiten, um die ich oft beneidet wurde.“ Die längste Reise von Susanne Berner dauerte sechs Wochen, meistens war sie aber nur drei Wochen an Bord und dann drei Wochen an Land. Neben der Steuerung bestand ihr Bordalltagaus zwei Wachen, meistens von 8 bis 12 Uhr und dann wieder von 20 bis 24 Uhr, in denen sie für Routenplanung und Kartenupdates, Funkcheck und Sicherheitseinweisungen zuständig war. Zu jedem Crewwechsel kam die Erstellung von Kammerplänen hinzu. „Das war dann zur Abwechslung mal ein bisschen Hotelmanagement“, erzählte Berner den rund 20 Zuhörern.
Heute erlebt Susanne Berner die Offshore-Branche von der Landseite aus. Als „Marine Coordinator“ kümmert sie sich von Berne aus um die logistische Seite des Offshore-Windpark-Baus.
