Nein, es war keine Bauhof-Kolonne, die da am Sonnabend durch Ganderkesee zog, um Verkehrszeichen anzubringen. Vielmehr handelte es sich um die Dorfgemeinschaft Havekost-Hengsterholz. Die 47 Erwachsenen und elf Kinder wollten nämlich beim Faschingsumzug um den Ring mal zeigen, was der deutsche Schilderwald so alles hergibt, berichteten Meike Neitzel und Amke Gottwald. Die Auswahl war so üppig, dass jedes Mitglied der Gruppe ein eigenes Verkehrszeichen darstellen konnte. Alle Kinder zogen als Pylonen um den Ring. Manch ein Schild allerdings, so hieß es von Teilnehmern, sei hierzulande noch wenig verbreitet – wie etwa das „Durchgangsverbot für Kühe“.

Apropos wenig verbreitet: Wer nach der Werbung auf dem Festwagen des TSV Grüppenbühren und beim Faschingsfrühschoppen am Sonntag in hiesigen Gaststätten nach dem „Grübü Bräu“ verlangt, der wird garantiert eine Absage erhalten. Denn dieses Bier „gibt’s gar nicht“, erklärte Wagen-Mitbauer Tobias Bleydorn. Ursprünglich hatte die Gruppe vor, den mit Fässern dekorierten Festwagen mit dem Namen einer gängigen Biermarke aus Bremen zu versehen. Doch aus rechtlichen Gründen hatte man davon abgesehen – und kurzfristig das Grübü Bräu erfunden.

Wenn die Ganderkeseer Faschingsgemeinde am Sonntag nach dem Umzug zum Frühschoppen im Festzelt an der Raiffeisenstraße zusammenkommt, dann wird nicht nur gefeiert, sondern auch geehrt. Diesmal bat GGV-Präsident Uwe Meyer einen Mann nach vorn, der 20 Jahre lang die Ganderkeseer Büttenabende maßgeblich mit geprägt hatte: Dirk Wieting (ovales Bild links, rechts Uwe Meyer). Nach dem Rückzug von Walter Pirr und Marianne Wieting hatte der Habbrügger 1991 die Leitung des Büttenabend-Regieteams übernommen, die er zur Session 2012 an Claudia Thomann weitergab. Wieting habe „eine tolle Arbeit geleistet“, attestierte Meyer, der am Sonntag als Dankeschön die Ehrenplakette der GGV verlieh.

Darüber hinaus zeichnete der GGV-Präsident den Ex-Prinzen Paul Rohne aus, dessen Regentschaft sich zum 50. Male jährte. Quasi eine Institution ist beim Fasching der Spielmannszug, in Faschingskreisen wegen der Häufung eines Familiennamens auch „Meyer-Combo“ genannt. 18 Mitglieder, so berichtete Uwe Meyer, würden seit mindestens 25 Jahren, teilweise seit 61 Jahren den Fasching mit ihrer Musik bereichern. Stellvertretend bat der GGV-Chef jetzt den musikalischen Leiter des Zuges, Dieter Meyer, und den Vorsitzenden Klaus Meyer auf die Bühne.

Mit der goldenen Nadel des Festausschusses ging Horst Strauß, mittlerweile im Ältestenrat, vom Frühschoppen heim. Silber erhielt Sigrid Meyer, die seit 15 Jahren im Festausschuss mitwirkt. Danke sagte der Faschingspräsident auch Erwin Tönjes, der 15 Jahre den Kinderfaschingsbegleitwagen gesteuert hatte und jetzt mit Walter Dittmann einen Nachfolger gefunden hat. Last but not least wurde – in diesem Fall von Moderator Gerrit Meyer – der Einsatz von Bernhard Jürgens gewürdigt. Der Hüne hatte seit dem Jahr 2000 als „Bauer aus Tristringen“ bei den Büttenabenden die Lachmuskulatur in Bewegung gebracht, jetzt zog er sich von der Bühne zurück.

Auf allgemeines Bedauern stieß beim Frühschoppen, dass MdL Christian Dürr sein Umzugskostüm abgelegt hatte und im Anzug gekommen war. „Als Superman hast du mir besser gefallen“, rief Moderator Gerrit Meyer dem liberalen Landtagsabgeordneten grinsend zu. Besucher empfahlen, mit dem Kostüm auch im Landtag Stärke zu demonstrieren und wenn schon nicht die Welt, dann doch zumindest Niedersachsen zu retten.

Gar nichts mit dem Fasching zu tun hatte eine Ehrung, die am Sonnabend wenige Stunden vor dem Start des Umzuges in Grüppenbühren stattfand. Im dortigen Fleegenweg feierte Herbert Schütte den 80. Geburtstag. Der Jubilar engagierte sich seit 1984 als Betreuer, später auch als Revisor im 240 Mitglieder starken Ortsverband Grüppenbühren-Bookholzberg des Sozialverbandes Deutschland. Vorsitzende Maria Dietrich gratulierte und würdigte den Einsatz Schröders, dessen Betreuer-Tätigkeit mittlerweile von Rolf Behrens übernommen wurde.