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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Landesmuseum: Schlagkräftiger Menschenfreund

27.12.2014

Oldenburg /Berne Pastor Tobias Jahn aus Berne (Wesermarsch) konnte gelegentlich handgreiflich werden: Einen jungen Bauernsprössling, der wie der verlorene Sohn im biblischen Gleichnis das Leben in Schankwirtschaften und Hurenhäusern der heimischen Feldarbeit vorzog, prügelte er zunächst „weidlich ab“ (wie es in den Akten heißt), bevor er ihn höchstpersönlich zum leidgeprüften Vater nach Ranzenbüttel zurückschleifte. So geschehen im Jahre 1685.

Heute müsste ein evangelischer Pfarrer nach einem derartigen Vorfall um sein Amt fürchten. Damals gehörte es zu den Pflichten des Seelsorgers, über die moralische Unbescholtenheit eines jeden Gemeindemitgliedes zu wachen. Ganz praktisch gedacht, konnte ja die Trunk- und Vergnügungssucht des jungen Bauern zum Untergang seiner bäuerlichen Existenz führen und ihn zum Sozialfall machen. Dann fiel der Betreffende der Armenpflege zur Last, was keineswegs im Interesse der Obrigkeit lag.

Pastor Tobias Jahn war ein aufgeschlossener, kluger Kopf und, wie es scheint, wohltätig aus Überzeugung. Geboren im Jahre 1647 in Sachsen, beendete er mit 24 Jahren das Studium der Theologie und Philosophie in Wittenberg mit dem Magistertitel. Danach verdingte er sich als Hauslehrer für die fünf Enkeltöchter Graf Anton Günthers, bevor er 1679 die Pfarrstelle in Berne erhielt.

Gleich bei Dienstantritt organisierte er nach einer Invasion französischer Truppen die Nahrungsmittelversorgung und bäuerliche Selbsthilfe in seiner Gemeinde. Schulische Ausbildung der Jugend und Armenpflege waren seine bevorzugten Tätigkeitsfelder. In 29 Dienstjahren schaffte es Jahn, die Armenkasse seiner Gemeinde von 60 auf 600 Reichstaler aufzustocken. Auch verlieh er eigenes Geld zinslos und spendete stets anonym.

Pastor Tobias Jahns Porträt und das seiner Ehefrau Catharina finden sich auf dem Epitaph des Ehepaares, das 170 Jahre lang in der St.-Aegidius-Kirche in Berne an den 1708 verstorbenen Seelsorger erinnerte. Epitaphe sind Denkmäler mit Andachtscharakter zu Ehren Verstorbener. Der Kirchenrat schenkte die Tafel 1877 der Großherzoglichen Altertümersammlung in Oldenburg.

Das Epitaph der Jahns verfügt heute nicht mehr über seinen oberen Abschluss. Das Fehlen christlicher Motive spricht für entsprechende Verweise auf der einstigen Bekrönung. Zu denken ist an ein Auferstehungs- oder Kreuzigungsmotiv, wie es häufig auf Epitaphen Verwendung fand.

Die Namen der Schnitzer, Vergolder und Bildnismaler sind zwar nicht überliefert, doch dürfen wir von einer Bremer Arbeit ausgehen. Die Porträts sind qualitativ hochwertig. Insbesondere das von Tobias Jahn zeigt charakteristische Züge. Seine Gemahlin büßt, wie es bei Ehepaarbildnissen jener Zeit üblich war, durch Herausstellung zeittypischer Schönheitsvorstellungen an physischer Individualität ein.

Alles in allem ist dieses oldenburgische Grabdenkmal ein exzellentes Beispiel für die norddeutsche Barockplastik des beginnenden 18. Jahrhunderts.

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