Rastede - Josephine liebt Fantasy-Bücher. Sie liest sie nicht nur, sie setzt sie auch fort: Die Zwölfjährige schreibt sogenannte Fan-Fiction. Aktuell arbeitet sie an den Fortsetzungen der beiden Romane „Der kleine Hobbit“ sowie „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien. 25 Seiten hat sie schon über den kleinen Hobbit in ihr Notizbuch geschrieben. Mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben war Josephine bei der Ferienpassaktion „Eine Schmetterlingsgeschichte im handgebundenen Büchlein“ in der Gemeindebücherei „Villa Wächter“ genau richtig.

Hier ging es zwar nicht um Frodo Beutlin und seine Gefährten, aber Fantasie war hier ebenfalls gefragt: Mit Hilfe von Kunstwissenschaftlerin und Germanistin Liane Hadjeres haben sich Josephine sowie Meret und ihre Schwester Emma jeweils eigene Geschichten ausgedacht, in denen ein oder mehrere Schmetterlinge im Mittelpunkt stehen.

Josephines Geschichte spielt natürlich in einer Traumwelt: Protagonistin Mariechen fällt in ein tiefes Loch und schläft ein. Als das Mädchen aufwacht, befindet es sich in einem Reich, in dem Menschen in große Schmetterlinge verwandelt sind. Die siebenjährige Meret schrieb über Schmetterlinge aus Plüsch, die zum Leben erwachen, und ihre Schwester Emma (10) erfand einen „Schutzschmetterling“.

Nachdem die Mädchen am ersten Tag ihre Geschichten entwickelt und das Buch mit Aufklebern und ausgestanzten Schmetterlingen verziert hatten, ging es am zweiten Vormittag darum, die korrigierte Version fein säuberlich abzuschreiben. Natürlich haben die Mädchen ihre Bücher auch selbst gebunden.

Früher hat Liane Hadjeres gemeinsam mit Norbert Wessels einmal pro Woche in Rastede mit Kindern Geschichten entwickelt und Bücher gebunden. „Vor sechs oder sieben Jahren gab es keine Nachfrage mehr“, erinnert sich Hadjeres. Mit ihrer Oldenburger Schreibwerkstatt bietet sie Kurse für Erwachsene und Kinder an. Bei Ferienpassaktionen möchte sie bei Kindern das Interesse für Lesen, Schreiben, aber auch für das Medium Radio wecken.

Josephine, Meret und Emma waren mit Begeisterung dabei. Nachdem Mariechen einige Abenteuer überstanden hat, gibt es in Josephines Geschichte selbstverständlich ein Happy End: Mariechen erlöst das Königreich. „Mädchen lieben den positiven Ausgang einer Geschichte“, weiß Hadjeres. „Bei Jungen darf es auch mal krachen und etwas zerstört werden“, sagt die Oldenburgerin und lacht.