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NWZonline.de Nachrichten Kultur

LITERATUR: Schneckenhaus am Stadtrand

28.09.2005

BERLIN Der 62-Jährige ist gegenwärtig auf Deutschland-Tournee. Er lebt immer noch sehr gerne in Berlin.

Von Wilfried Mommert BERLIN - Reinhard Mey ist seit vier Jahrzehnten in der deutschen Liedermacher-Szene eine Größe und verkauft heute in Deutschland von der so genannten Backlist seines Song-Repertoires mehr Platten als die Beatles, wie seine Plattenfirma sagt. Jetzt hält der 62-Jährige, der gegenwärtig noch auf seiner zweimonatigen Tournee bis 17. November unterwegs ist, Rückschau auf sein Leben. Dabei gibt der sonst öffentlichkeitsscheue Liedermacher, der immer noch vor jedem Bühnenauftritt Blut und Wasser schwitzt, erstmals auch erstaunlich offene Einblicke in sein Privatleben und seine Gefühlswelten, sein „Schneckenhaus“, wie er es nennt.

Er spricht auch über seine Fliegerleidenschaft oder sein Hadern mit manchen gesellschaftlichen Zuständen, die der früher so harmoniebedürftige Mey auch in einigen seiner Lieder anspricht. Und auch über sein in 40 Jahren nie nachgelassenes Lampenfieber: „Es gab Tourneen, da habe ich mit Hella zusammengesessen und geweint und gesagt, ich gehe nicht, ich halt es nicht aus.“

Es ist keine klassische Autobiografie, sondern ein langes Zwiegespräch mit dem Freund und Schriftsteller Bernd Schroeder, der auch Frau Hella und die inzwischen erwachsenen und in die Welt verstreuten Kinder Frederik, Max und Victoria befragt hat.

Der 22-jährige Max zum Beispiel lebt in Thailand, seine ganze Habe besteht aus dem Inhalt von zwei Reisetaschen („Die Eltern hatten, glaube ich, wirklich wenig Spaß mit mir“). Der 28-jährige Frederik ist auf internationaler „Walz“ als Zimmermanns-Lehrbursche.

Heute lebt Reinhard Mey mit seiner Frau in dem großen Haus am Rande von Berlin, im grünen Norden der großen Stadt, dort, wo auch die Kinder aufgewachsen sind. Mey: „Ich habe wunderbare Erinnerungen, auch an das Leben hier in unserem Haus, aber es bringt mir nichts, da draußen immer wieder das Gras zu sehen, auf dem Frederik mit seinen Klassenkameraden Fußball gespielt hat.“

Da sei der Garten noch zu irgend etwas nutze gewesen. „Aber in diesem Garten spielen sie nicht mehr, also brauche ich ihn nicht mehr.“

Schon früher hatte Mey davon gesprochen, vielleicht mal eine Stadtwohnung zu nehmen. „Wenn ich in der Innenstadt wohnen würde, dann hätte ich sicher im Umkreis von 500 Metern ein paar Plätze, an denen ich gerne sitzen würde, Leute treffen oder sowas.“

Jetzt ist dem Liedermacher, der in den 60er- und 70er-Jahren Abend für Abend mit seiner Gitarre und mit Freunden wie Hannes Wader durch die Berliner Szenekneipen zog, der Aufwand einfach zu groß, abends aufzubrechen. Auch ein Mey wird ruhiger.

Aber die Großstadt braucht er immer noch für seine Arbeit. „Mir würde das Schreiben ausgehen, wenn ich woanders leben würde als hier, unter einem blauen Himmel.“

Seine Bilanz sei ausgeglichen, meint er. „Ich hab wirklich meinen Teil gehabt. Ich hätte keinen Grund zu hadern und zu grollen, wenn es jetzt zu Ende wäre.“

Reinhard Mey mit Bernd

Schroeder: „Was ich noch zu sagen hätte“, Kiepenheuer & Witsch, Köln. 303 Seiten, 19,90 Euro.

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