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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Schöne Farben des Verderbens

08.08.2015

Oldenburg Karl Wilhelm Henke, der in der NWZ -Galerie kein Unbekannter ist, kann bei seiner künstlerischen Tätigkeit auf einen Schatz von Erfahrung zurückgreifen, aber die technische Entwicklung bietet dennoch immer neue Herausforderungen. Der Fotograf nutzt dieses Angebot, um die Farben zu stärken und Kontraste, wenn sich welche ergeben, zu schärfen. Doch will er den Gegenstand, den er ausgewählt hat, weder verfremden noch verleugnen.

Henke geht mit dem Objektiv so dicht wie möglich an den Gegenstand heran. Wenn dieser keine außergewöhnliche Form hat, sondern flach ist wie eine Eisenplatte oder eine Spundwand, dann wird nur ein Ausschnitt aufgenommen. Doch der hat Bildcharakter, wenn eine breite Spur die Fläche vertikal durchzieht oder andersfarbige Formen in den Mittelpunkt rücken. Der Künstler achtet auf Symmetrie, Volumen, Räumlichkeit in den Motiven.

Henke will die feinen Details erfassen, denn sie tragen die Farben, um die es ihm in dieser Bilderauswahl geht – die Farben des Rosts. Er demonstriert in seinen Fotografien, welcher Reichtum in dem schmalen Begriff „rostrot“ steckt. Und mehr noch, er zeigt auf, welche Farbenpracht in den Beziehungen zwischen dem sich zu Streifen und Bahnen zusammenziehenden Rostrot und den verfallen wirkenden anderen Flächenpartien ergeben können: Vor dem einst blauen Untergrund hat sich ein ausgewaschenes, intensiv giftiges Grün gebildet, das in Kontrast zu den Rottönen des Rosts steht.

Ein anderes Motiv in diesem Themenkanon sind Schweißnähte, die zwar nach wie vor die Teile zusammenhalten, aber scheinbar nur mit äußerster Anstrengung, denn sie wirken innerhalb des Rot der rostigen Fläche wie weißglühend und angespannt. Mit helleren Bahnen werden Licht und Schatten ins Bild geholt, die Fläche wandelt sich in einen Raum. In anderen Arbeiten hat Henke gerade diese Möglichkeit genutzt, rostige Formen mit wuchernden Algen zu verbinden und damit die Fülle der Farbtöne ins Violett und Schwarzbraun auszuweiten.

Der Korrosionsprozess, dessen Ästhetik der Künstler hier vor Augen führt, kann sich auch mit anderen Farben verschleiern, etwa mit Weiß und Schwarz bei einem zerbröckelnden Stein, dessen Oberfläche von feinen schwarzen Adern durchzogen wird, mit denen die Zeit ihren Tribut von den Dingen fordert. Die Korrosion ist ein langsamer Auflösungsprozess, dem sich auch die härtesten Dinge nicht entziehen können. Die Momentaufnahmen von Henke zeigen Zustände, in denen sich die Farben noch einmal entfalten. Wie bei einer Blume ist das der farblich schönste Augenblick vor dem Ende.

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