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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Schöner sterben im Arm einer Schweinezüchterin

31.03.2014

Oldenburg Es kommt nicht oft vor, dass das Publikum die Premiere eines niederdeutschen Stückes im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters mit stehenden Ovationen feiert. Aber bei der Premiere von „Emmas Glück“ am Sonnabend hielt es die Besucher am Ende nicht mehr auf den Stühlen. Begeistert erwiesen sie der großartigen Leistung des Ensembles der August-Hinrichs-Bühne ihren Respekt.

Maria-Elena Hackbarth hat ihre Bühnenfassung nach dem Erfolgsroman von Claudia Schreiber (ins Niederdeutsche übertragen von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen) bewegend in Szene gesetzt. Die Inszenierung braucht einen Vergleich mit der Verfilmung aus dem Jahr 2006 nicht zu scheuen.

Die Unterschiede könnten nicht größer sein: Max, der gepflegte Stadtmensch, bei dem alles seine Ordnung haben muss, landet auf Emmas Bauernhof, mitten im Chaos. Britta Junker spielt großartig die burschikose Schweinezüchterin, der vor nichts bang zu sein scheint und die doch so verletzlich ist. Sven Gerstmann beeindruckt an ihrer Seite als sterbenskranker Max auf der Suche nach sich selbst.

Ein großes Talent ist Lena Havekost. In der Rolle der kleinen Emma agiert sie auf der Bühne, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Jakob Rohde ist als Hans, der überall ein gutes Geschäft wittert, in seinem Element. Die komödiantische Note ins Spiel bringt Petra Bohlen als eifersüchtige Mutter des trotteligen Dorfpolizisten Henner. Als Muttersöhnchen glänzt Mario Forkel.

Max hat Krebs, die Diagnose wirft ihn im wahrsten Sinne des Wortes aus der Bahn. Mit einem Ferrari, den Freund Hans eigentlich nach Weißrussland verkaufen will, und 50 000 Dollar im Gepäck nimmt er Reißaus, kommt von der Straße ab und landet auf dem Hof von Emma, dem die Zwangsversteigerung droht.

Sie versorgt den Verletzten so fürsorglich wie sonst nur ihre Schweine und findet das Geld – alles scheint perfekt zu sein. Aber Hans ist Max auf den Fersen, er will das Auto und das Geld zurück. Die bauernschlaue Emma hat das Auto jedoch abgefackelt und das Geld in ihren Würsten versteckt. Als Hans erscheint, sperrt sie ihn kurzerhand ein – sein Krisenmanagement versagt auf ganzer Linie.

Max findet sich derweil langsam mit dem Landleben zurecht, findet Gefallen an Gummistiefeln und schnackt Plattdeutsch. Er schafft Ordnung in Emmas Durcheinander und repariert auch noch die Unwucht im Reifen ihres Mofas, was doch so schön unter dem Hintern rubbelt.

Emma findet sich nicht mehr zurecht. Dass sich jemand um sie kümmert, das kennt sie nicht. Schritt für Schritt kommen Emma und Max sich näher und fassen Vertrauen zueinander. Sie genießen jede Minute ihres kurzen Liebesglücks und machen reinen Tisch. Emma lässt endlich ihre Wut raus über ihre lieblose Mutter, den brutalen Großvater und feigen Vater. Max erzählt Emma endlich von seiner Krankheit und bittet sie um Beistand. Er möchte so sterben wie ihre Schweine: in ihren Armen. Denn Emmas Schweine haben keine Angst vorm Sterben. Ein schneller Schnitt, ein Kuss, nach acht Sekunden ist alles vorbei.

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Ein anrührender Theaterabend, der unter die Haut geht und lange nachwirkt.


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Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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