Die agile Wilma Hattemann (74) mit dem sportlichen Haarschnitt entspricht eigentlich nicht dem klassischen Oma-Typ. Auf der Bühne in Jaderkreuzmoor mimte sie aber schon immer die Großmütter-Charaktere recht überzeugend.
Erstmals im Alter von 29 Jahren, als sie für eine andere Frau die Rolle übernehmen musste. Die Maskenbildnerin hatte ihr zwei Schneidezähne geschwärzt, um das Gebiss lückenhaft erscheinen zu lassen. „Die Wilma muss aber mal ’was an ihren Zähnen machen“, soll ein Zuschauer über die damals junge Frau gesagt haben.
Dieser Auftritt im Jahr 1964 in Jabbens Gasthof war Wilma Hattermanns erster Einsatz für die Theatergruppe des Boßelvereins Kreuzmoor. „Baben wohnen Engels“, hieß das Stück, auf das auch der Jader Pastor gespannt war. Der Theologe wurde aber enttäuscht: Der Titel bezog sich auf Untermieter mit Namen Engels.
In den folgenden gut 40 Jahren wuchs Wilma Hattermann in die Oma-Rolle und in viele andere Rollen im doppelten Sinne hinein: Sie ist Großmutter von Lars (15) und Verena (14), die jetzt im Vareler Stadtteil Büppel wohnen. Obwohl sich Wilma Hattermann und ihr Ehemann Bernhard (76) zu Hause ausschließlich auf Plattdeutsch unterhalten, sprechen die Töchter Sigrid (50) und Inge (49) lieber hochdeutsch.
Im Theater gilt Wilma Hattermann als Expertin für die niederdeutsche Sprache. So übersetzt sie manche Manuskripte in den Oldenburgischen Duktus: „Das heißt doch bei uns nicht Schnicken, sondern Snirgen“, sagte sie. Deshalb heißt der Titel des aktuellen Stücks von Johann Binder in Kreuzmoor auch „Vun Snirgen und Zicken.“ Wilma Hattermann steht auf der Bühne – wieder als Oma.jl
Wilma Hattermann
Laiendarstellerin
