SCHORTENS - Kabarettist Uwe Steimle ist in seiner Ostalgie-Serie jetzt als Günther Zieschong allein zu Haus. Abgesehen von 400 Gästen im Publikum. Die waren völlig aus dem Häuschen.
Von Oliver Braun
SCHORTENS - Ohne „seinen Erich Honecker“ lässt das Publikum Uwe Steimle nicht zurück nach Sachsen. Den „Honni“ muss er natürlich noch geben, bevor die Mauer, huch, bevor der Vorhang fällt. Schließlich gibt Schauspieler Steimle in der Parodie-Rolle des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der „Dötschn Demmgradischn Reppeblik“ seine Parade-Rolle ab.Gesprochen ist Sächsisch für friesische Ohren schon äußerst gewöhnungsbedürftig, doch die besten Pointen hier auch noch auf sächsisch niederzuschreiben. Ei, verbibbsch, das kann nicht gutgehen. Auch im Publikum blieb mancher mundartlicher Kalauer an der Grenze hängen.
Nun also ist Uwe Steimle, der fernsehbekannte Dresdner Schauspieler („Polizeiruf 110“) und Kabarettist mit seinem neuen Programm als „Günther allein zu Haus“. In seiner Fernseh-Ostalgie-Serie hat Ilse Bähnert nun die Biege gemacht, als „Günther Zieschong“ hat Steimle die Bühne für sich ganz allein. Allein ist er aber keineswegs, und auch wenn das Bürgerhaus immer wieder aus dem Häuschen ist, das Haus ist natürlich restlos ausverkauft.
Das Publikum erlebt auf der Bühne einen langzeitarbeitslosen, ehemaligen Parteisekretär, der in seiner Freizeit Bierdeckel aus Wäscheklammern bastelt und Lokuspapierrollen umhäkelt, als ihm unversehens der Aushilfsposten eines Kirchenführers angeboten wird. Also trainiert Günther ganz allein zu Haus für seine neue Aufgabe und verheddert sich als tragikomisches Wendeopfer mit spießbürgerlichen Marotten und Ansichten vollends in seiner Welt: „Der Altar wird schon eine Menge gekostet haben – das ist so sicher wie die Armen in der Kirche.
Der Sachse Günther Zieschong hat das Herz zwar auf dem rechten Fleck – die Zunge aber auch: „Früher war schön“, sächselt Günther. „Noch früher war noch schöner.“
Er mault über Ausländer und Schwule und über die „Zeugen Jagodas“, die er kürzlich vor dem Arbeitsamt getroffen habe. Sei alles nicht so schlimm, hätten die gesagt, in Bälde gebe es wieder Arbeit. „Aber ich weiß überhaupt nicht, wo Bälde liegt“, grantelt Günther.
In seiner merkwürdigen Ostalgie fällt er immer wieder mit der Tür ins Haus: „Ihr habt uns zwar die Zutaten geschickt, aber erst wir haben etwas daraus gemacht“, kommentiert der Dresdner die Christstollen-Carepakete aus Vorwende-Zeiten und schwärmt sodann vom Parma-Schinken: „Da musste ich erst arbeitslos werden, um den kennen zu lernen.“
Günther schimpft auf das ganze Land, „das in Sippenhaft genommen wurde“. Wir hätten das System besser leasen sollen, poltert Günther, „dann könnten wir es jetzt zurück geben.“
