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Comedy Kultivierter Tabubruch als Programm

SCHORTENS - Der Kerl kann einfach nicht aus seiner Haut. Gibt vor, sich vom Saulus (mit der Betonung auf „Sau“) zum Paulus gewandelt zu haben und fortan der bekehrte Frauenversteher zu sein. Gleichberechtigung war gestern, Götteninnenverehrung ist heute: Mit dem missionarischem Eifer einer amerikanischen Predigershow hebt Ingo Appelt die Frauen als „Krone der Schöpfung“ in den Himmel und jagt die Männer, die ohnehin immer nur an Sex denken und sowieso an allem Schuld haben, mit Schimpf und Schande zum Teufel. „Halluhjah“, ruft Appelt, der die „Kirche für die glückliche Frau“ gegründet hat und sich als ihr Hohepriester huldigen lässt. Das restlos ausverkaufte Bürgerhaus tobt vor Begeisterung. Sogar die Männer.

Mit seinem Programm „Frauen sind Göttinnen – wir können nur noch beten“ machte einer der bekanntesten Typen der deutschen Comedy-Szene jetzt im Schortenser Bürgerhaus Station. Aber Appelt ist und bleibt ein Ferkel. Gar als „alte Drecksau“ bezeichnet er sich selbst. Nun, man hätte es nicht treffender sagen können.

Ob Katholiken oder Muslime, Rentner, Behinderte, die Politiker-Prominenz sowieso und natürlich auch die Show- und Unterhaltungsbranche: Appelt kennt kein Pardon. Wer zimperlich und dünnhäutig ist oder auf „political correctness“ Wert legt, der hält am besten Abstand von diesem Mann. Wo Ingo Appelt ist, da wird’s schmutzig. Da gehört der kultivierte Tabubruch zum abendfüllenden Programm.

So entpuppt sich natürlich auch sein Liebeslied, das er gegen Ende seiner fast zweieinhalbstündigen Show anstimmt, letztlich doch wieder nur als eine Ode ein sein bestes Stück. Kaum fällt man auf den Appelt herein und meint, der Mittvierziger und Familienvater feilt am Imagewandel, streckt er einem den nackten Hintern entgegen und suhlt sich in den eigenen Ferkeleien.

Unbestritten ist sein Talent als Parodist und Musiker. Seine Herbert-Grönemeyer-Nummer („Der Inbegriff der männlichen Weinerlichkeit“) gehört inzwischen zu den Comedy-Klassikern. Ob als Tatort-Kommissar Til Schweiger oder in der Rolle seiner Comedy-Kollegen von Mario Barth bis Michael Mittermeier: Appelt ist in diesem Metier eine Klasse für sich.

Am Ende der Show im Bürgerhaus gibt er den Udo Lindenberg und zieht blank. In nichts weiter als einem Latex-Glitzer-Slip steht er vor seinem Publikum und zeigt verschämt seine Plauze. Das ganze Universum dehnt sich aus, da kann der Appelt ruhig mitmachen.

 @ Mehr Bilder im Internet unter

http://www.NWZonline.de/fotos-friesland

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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