SCHORTENS - Der freche Blondschopf zündete ein Feuerwerk an Gags. Als einsamer Junggeselle drückt er aber auch gern mal auf die Tränendrüse.

Von Oliver Braun

SCHORTENS - Er ist jung, er sieht gut aus, er hat Humor – und er kann sogar ganz passabel Klavierspielen. Keine Ahnung, weshalb Guido Cantz noch immer keine Frau gefunden hat. „Ich bin eben kein Typ für eine Nacht“, grinst der freche Blonde aus Köln-Porz. „Ich kann mich nicht so lange binden.“

Vor nahezu ausverkauftem Haus empfängt Guido Cantz, ganz smart im feinen Zwirn, sein Publikum in Schortens’ „surrealistischer Garage“ und erntet den zuvor im Bürgerhaus eingeübten donnernden Applaus wie zum Samstagabend-Fernsehshow-Auftritt.

Es dauert nicht lang und schon ist er „cantz schön frech“, wenn er über Beziehungsstress schwadroniert und über fehlende Frauenbekanntschaften lamentiert, auf das Fußball-Sommermärchen zurückblickt oder von einer nervenaufreibenden Bestellung in einem Fast Food-Restaurant berichtet. Manchmal gibt er gar den Frauenversteher, macht auf romantisch und kann doch auch am Klavier sein freches Mundwerk nicht halten.

Guido kann’s eben – im Fernsehen spielt die Kölner Frohnatur in der Glücksspirale-Show „Deal or no deal“ um Koffer voller Geld, bei „Genial daneben" sitzt er in schöner Regelmäßigkeit im Rateteam. Und wenn nächsten Monat die närrische Saison beginnt, ist er als beliebter und geübter Redner im Karneval-Dauereinsatz. Zurzeit zieht er mit seinem Soloprogramm „Cantz schön frech“ durch die Lande.

Natürlich nimmt der Jung aus Porz am Rhein kein Blatt vor den Mund und lästert ordentlich ab. Über Uschi Glas und Daisy Duck, über Michael Schumacher und Martin Semmelrogge oder über die Schrullen und Macken seiner Freunde, Familie und Zufallsbekanntschaften. Die Gagdichte im Bürgerhaus ist hoch, da fällt es auch kaum auf, dass mancher Kalauer nur ein gut recyceltes Witzchen in neuer Aufmachung ist.

Die Lacher auf seiner Seite hat er natürlich, wenn er sich von oben Richtung Gürtellinie nähert, seine besten Anmachsprüche zum besten gibt und zotig die Hosen runterlässt. Das ist mitunter „Cantz schön frech“, aber im Grunde auch halb so wild – denn „eigentlich ist der Guido ein ganz Lieber“.

Richtig Gas gibt der Kölner, als er im bunten Patchwork-Anzug den zweiten Teil eröffnet, mit Marlon Brando-Stimme den „Bandenkrieg der Baumarkt-Ketten“ entlarvt, über den Eigenheimerwerb und das Wettrüsten bei der Weihnachts-Außenfestbeleuchtung abledert und erklärt, weshalb der Herrgott alle Baumaterialien zum Erschaffen der Welt in einem Baumarkt in Köln-Porz zusammengekauft hat.

Noch besser sind die Zugaben, als er für jede Alters- und Zielgruppe die richtige Stimme für Navigationssysteme draufhat und als Inge Meysel die Route berechnet. Als Guido dann auch noch zu Sinatras „My Way“ eine Ode an Schortens singt, sind sich alle einig: Das war Cantz schön klasse.