Schortens - Viele Menschen sterben angeschlossen an Schläuchen auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Wenn sie Glück haben, ist jemand da, der ihre Hand hält. Müssen wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben?

Henning Scherf und Annelie Keil beobachten und fordern eine gesellschaftliche Kursänderung. Sie beschreiben in ihrem gemeinsamen Buch „Das letzte Tabu“ ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod, bittere wie tröstliche, und verbinden diese mit der Frage: Wie wollen wir sterben? Am heutigen Dienstag, 5. Dezember, sind sie ab 20 Uhr zu einer Lesung mit anschließender Diskussion im Bürgerhaus Schortens zu Gast. „Über das Sterben reden und Abschied leben lernen“ ist der Abend überschrieben.

Henning Scherf, 1938 geboren, war von 1995 bis 2005 Bürgermeister in Bremen. Er lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau und Freunden in einer Wohngemeinschaft und tourt mit allem, was im Zusammenhang mit dem Thema Alter steht, durch die Republik .2010 las er im Bürgerhaus aus seinem Buch „Grau ist bunt“.

Sein aktuelles Buch schrieb er gemeinsam mit Prof. Annelie Keil, die ein Jahr jünger ist als er und emeritierte Professorin für Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Uni Bremen ist und die sich seit Jahren in der Hospizbewegung engagiert.

„Das letzte Tabu“ ist ein sehr persönliches Buch, das auch eminent politisch ist. Das Buch ist auf ein großes Medieninteresse gestoßen und hat viele Leser gefunden.. Und es macht Mut, Abschied gemeinsam zu leben, um erträglicher zu machen, was wir zuletzt alle durchleben müssen, so die Autoren.

Festgemacht an der persönlichen Biographie geht es darin um den bewussten Umgang mit dem eigenen Lebensende. Und darum, das Thema Tod und Sterben aus dem gesellschaftlichen Abseits zu holen und als integralen Bestandteil des Lebens zu erkennen. Henning Scherf und Annelie Keil werden in einer sicherlich lebhaften Diskussion ihre Positionen vertreten und zeigen, dass eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod nicht erst dann stattfinden sollte, wenn man alt und krank ist. Sterben kann man nicht lernen, aber man kann sich darauf vorbereiten.

Karten für die Lesung an diesem Dienstag sind für sieben Euro an der Bürgerhaus-Abendkasse erhältlich.