SCHORTENS - Zu sehen ist er nicht mehr. Aber zu erwarten ist alles von ihm. So drücken es die zum Himmel emporgereckten Hände der Anhänger Jesu auf dem Himmelfahrtsbild der St.-Stephanus-Kirche in Schortens aus. Nicht festhalten wollen sie, sondern sie sind geöffnet zum Empfangen. Oder um einen Zuruf zu verstärken. Mit dem Blick in die Horizontale. Auf das, was einen in der Welt, im Leben hier bewegt.
Und auch mit dem Blick nach oben, die Hände anbetend zusammengelegt; betend und flehend. Vom Himmel her ist für alle in je persönlicher Weise sein Wirken zu erwarten. So wie der Himmel über allen ist; Anbruch der Weltherrschaft Christi. Das feiern die Christen am Himmelfahrtsfest. Die zu ihm aufsehen, sehen weiter. Auch über die Zeiten hinweg. Der zurückblickt, sieht auf die Ereignisse von Karfreitag und Ostern. Und braucht so seinen Blick nicht zu verstecken; sicher gemischt mit der Trauer um den Abschied von dem Sichtbaren. Aber doch offen für das Licht, das von oben kommt. Sichtbar bleibt der Fels in der Mitte. Als Symbol für den Auftrag derer, die sich an Christus orientieren. So wie einst dem Petrus gesagt wurde: „Du bist der Fels – auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“.
Sichtbar bleibt die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, die sich zusammenfindet in der Gewissheit, auf diese Macht können wir uns verlassen. Von Christus können wir alles erwarten: Leben, Hoffnung, Trost, Vergebung. Der Felsen – gehalten von zwei Tafeln: Hinweis auf die Gebote und das Wort Gottes. In ihnen begegnet er uns. An ihnen können wir uns ausrichten. Durch seine Anrede an uns übt er seine Friedensherrschaft aus.
Der Himmel über uns – für alle sichtbar, erfahrbar. Und ermutigend, Christi Weltherrschaft als eine Macht des Friedens und der Liebe anzunehmen. Und sich auf seine Zusage zu verlassen. Auf seinen Sieg von Ostern zu bauen. Weltweit und persönlich.
Dr. Evelin Albrecht ist Mitglied des
Evangelisch-lutherischen Oberkirchenrats in Oldenburg.
