Schortens - Das traditionsreiche Düsseldorfer Kom(m)ödchen lud zum Schulbesuch in das ausgebuchte Bürgerhaus Schortens ein. In „Irgendwas mit Menschen“ lieferte sich das Quartett, eines der wenigen verbliebenen, ein satirisches und politisches Wortgefecht. In Rollenwechseln, Songs und ungebremster Spiellust zeigten sie, wie schwer es heute ist, sich auf eine Idee der Zukunft zu einigen, und welche Botschaft man einer Generation mit auf den Weg in die Welt von heute gibt.
Mehrfach unterbrach das Publikum die Aufführung mit Szenenapplaus, am Ende gab es Minuten lange stehende Ovationen. Bleibt zu hoffen, dass zwischen den Aufführungen von 2012, 2015 und 2019 nicht wieder Jahre vergehen.
Die liebe Familie
Als die volljährige Tochter von Kathie (Maike Kühl) mit den Sprösslingen des einfältigen Autohändlers (Heiko Seidel) und linksliberalen Sozialkundelehrers (Martin Maier-Bode) angeblich nach Amsterdam verschwinden, wird die Stimmung zunehmend hysterischer. „Sie kann mir doch nicht ihr ganzes Leben versauen“, bringt die überfürsorgliche Helikoptermutter treffend auf den Punkt, was sie wirklich antreibt. Nachdem die versammelte Elternschar sich gegenseitig zerfleischt hat, tauchen die Kinder im Happy End wohlbehalten wieder auf und vermitteln ihren Eltern nachdrücklich die Lehre, dass sie nicht deren Eigentum sind und ihre eigenen Wege gehen.
Kathies Mann (Daniel Graf) erweist sich als überaus anfällig für Verschwörungstheorien, was in einer „Fantasieszene“ ausgelöst durch das Schnüffeln von Matrizenflüssigkeit, zu einem der Höhepunkte des Programms führt.
Da erscheinen ihm Adolf Hitler (Martin Maier-Bode in Bademantel und „Adiletten“) und Elvis Presley (Heiko Seidel) gleichzeitig. Der „Führer“ ist auf dem Weg der Läuterung und nach Frankreich marschiert er nicht ein, weil das Leverkusener Kreuz ständig verstopft ist.
Im Kabarett „vom Feinsten“ zerlegen die Darsteller die großen Utopien der Menschheit, die Niederungen der Politik und auch ihre eigenen Beziehungen. Was ist das überhaupt für eine Welt, welche Werte braucht eine Gesellschaft und wie ist Kochen ohne Thermomix?
Zweifel bestehen, ob Bildungsministerin Anja Karlizcek aus Ibbenbühren durch fehlende Qualifikation unbefangen ist, stellen sie die aussichtslose Schulpolitik Frage. Überall, wo BWLer auftauchen, wird’s „Scheiße“ erklären sie.
SPD- und Dieselkrise
EU-Kommissar Oettinger sei der Brexit zu verdanken, weil die Briten dessen schlechtes Englisch als Affront gegen sich sehen. Bismarck und Hitler schafften es nicht, die SPD zu zerstören – wohl aber Martin Schulz. Aktualität auch im Diesel-Skandal bei VW. Gleichbedeutend für „Völlig Wertlos.“ Man muss was leisten, um 1400 Euro zu verdienen; aber mit einer Million kann man sich was leisten, war die süffisante Reaktion auf Martin Winterkorns Bestversorgung. Zu den wenigen Ausrutschern knapp unter der Gürtellinie gefiel der Bio-Vibrator – ein Bambusstab mit einer Hummel im Inneren.
