Schortens/Sande - Schon nach der Ouvertüre war klar: Das würde ein großer Abend werden. 50 Jahre nach Erscheinen der ersten Rockoper überhaupt kam „Tommy“ von The Who auf die Bühne des Bürgerhauses.

Und dass die Musiker des Breathe-Projekts dieses anspruchsvolle Unterfangen stemmen können, bezweifelt inzwischen niemand mehr, haben sie sich doch mit den Pink Floyd-Konzerten vor zwei Jahren und dem Stück „Die Lebenspflückerin“ im vergangenen Jahr längst einen Namen gemacht.

Mit Songs wie „It’s a Boy“, „Pinball Wizard“, „Tommy Can You Hear Me?“ und „I’m Free“ rissen die Musiker und Sänger die Besucher zu immer neuen Begeisterungsstürmen hin. Unterlegt von Videosequenzen aus der Verfilmung kam richtiges „Tommy-Feeling“ auf und die Geschichte des kleinen Tommy ließ sich auch für jüngere Besucher leicht nachvollziehen.

Das Ganze ist überwiegend ein Familienunternehmen: Neben Moderatorin Regine Kölpin und Gitarrist und Leiter Frank Kölpin standen noch die Söhne der beiden Lars (Gitarre), Torben (Bass) und Sven (Schlagzeug) auf der Bühne. Fest zum Team gehören auch Anika Strieben (Keyboard) und Horst-Dieter Loga an der Gitarre. Den Gesang bestritten Sabrina Ganse und Rana Arborea zusammen mit Claus Fischer, der für die großen Gesten auf der Bühne verantwortlich war.

Nachgezeichnet wurde in der Oper die Geschichte des kleinen Tommy, der nach einem schweren Kindheitstrauma taub, blind und stumm wird. Erst als er als Jugendlicher einen Flipperautomaten sieht, zieht der ihn magisch an und er entwickelt sich an diesem Gerät zum Meister: zum Pinball Wizard. Dadurch gewinnt er den Status als Guru für seine Anhänger – jedoch auch das zerbricht, als er von seinen Anhängern entfremdet.

Nichts hat die Geschichte von Traumatisierung, Missbrauch und den Schattenseiten des Ruhms in den vergangenen 50 Jahren an Anziehungskraft und Aktualität verloren. Und die Musiker des Breathe-Projekts haben den Stoff großartig auf die Bühne gebracht. Das wurde dann auch mit einem in Schortens eher seltenen stehenden Applaus belohnt.