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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Irritierend schöne Kunst der „Madgermanes“

16.09.2017

Schwerin Der Maler Dito Tembe aus Maputo kennt sich in Schwerin gut aus. Als Vertragsarbeiter hat er dort von 1985 bis 1989 im VEB Lederwaren Taschen produziert. Der Mosambikaner, der aus einer Künstlerfamilie stammt, war in Zuschnitt und Näherei eingesetzt. Gemalt hat er in seiner Freizeit - unter anderem ein großes Wandbild im Wohnheim der Afrikaner.

Der Plattenbau ist inzwischen abgerissen, das Bild wurde dabei zerstört. Für die internationale Ausstellung „Madgermanes - Mystery of foreign Affairs“ (Die Deutschen - Geheimnis auswärtiger Beziehungen), die am Samstag in Schwerin beginnt, hat Tembe sein Bild einer jungen Frau im mosambikanischen Bürgerkrieg neu erschaffen.

Als „Madgermanes“ bezeichnen sich die Vertragsarbeiter aus Mosambik, die zwischen 1979 und 1991 in Ostdeutschland lebten und arbeiteten. Das Wort setzt sich aus dem englischen Wort „Germany“ und der Bantu-Vorsilbe „ma“ zusammen. Es bedeutet „die Deutschen“.

Die Schau des Kunstvereins für Mecklenburg und Vorpommern in Schwerin, der seit 15 Jahren zeitgenössische internationale Kunst im Nordosten präsentiert, verknüpft die Erinnerung an die Gastarbeiter mit einem Einblick in die aktuelle afrikanische Kunstszene. An verschiedenen Orten der Landeshauptstadt werden Arbeiten von elf mosambikanischen, angolanischen, südafrikanischen und deutschen Künstlern gezeigt, wie Kurator Andreas Wegner am Freitag sagte.

Darunter ist der ehemalige Vertragsarbeiter Dito Tembe ebenso wie die südafrikanische Fotokünstlerin Zanele Muholi, die bereits auf der Documenta 2012 und auf der Biennale in Venedig 2013 vertreten war. Von ihr sind irritierend schöne Selbstporträts zu sehen, die mit Verkleidungen und Klischees, unter anderem von Männlichkeit und Weiblichkeit, spielen. Sie hängen im Ausstellungshaus des Kunstvereins in der Innenstadt.

Gastarbeiterlöhne für Abtragung von DDR-Krediten missbraucht

An einer Schweriner Ausfallstraße, der Ludwigsluster Chaussee, ziehen Plakate einer Fotoserie des Angolaners Edson Chagas die Aufmerksamkeit auf sich. Sie zeigen Menschen in westlicher Kleidung und mit afrikanischen Masken vor dem Gesicht.

„Wir wollten nicht nur Arbeiten zur Thematik der Vertragsarbeiter zeigen“, sagte Ausstellungskurator Andreas Wegner zur Auswahl der Werke und Künstler. Dieses Stück deutscher Geschichte sei der Ausgangspunkt für das Ausstellungsprojekt gewesen, das im kommenden Jahr in Maputo gezeigt werden soll.

Von 1979 bis 1991 waren rund 19 000 mosambikanische Gastarbeiter in Ostdeutschland, erzählt Dito Tembe. Etwa 15 000 seien nach der Wende in ihr Heimatland zurückgekehrt. Von der in Maputo lebenden Filmemacherin Tina Krüger ist in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins eine Videodokumentation über das heutige Leben der Heimkehrer zu sehen. Viele von ihnen demonstrieren jede Woche in Maputo, weil ein erheblicher Teil ihres Lohnes damals einbehalten worden war - zur Abtragung von Krediten der DDR an Mosambik, wie Wegner berichtete.

Die Mosambikaner waren die größte Gruppe von Afrikanern in der DDR. Aber auch aus anderen Ländern wie Angola oder Namibia kamen Menschen zum Arbeiten oder Studieren. Auf einer kleinen Fähre, die auf dem Pfaffenteich in Schwerin verkehrt, und in einem Häuserdurchgang in der Innenstadt laufen im Zuge der Ausstellung Interview-Filme von Iris Buchholz Chocolate aus Luanda mit angolanischen Akademikerinnen, die in der DDR studiert haben.

Die Ausstellung, die bis zum 28. November in Schwerin zu sehen sein soll, wird unter anderem von der Kulturstiftung des Bundes und dem Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

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