SEEFELD - Mit einer Auswahl aktueller Arbeiten reiste die Künstlerin Corinna Mund aus Wiesbaden zur Vernissage in der Seefelder Mühle an. Die Künstlerin präsentiert dort noch bis zum 20. Juni Malereien, Collagen und Radierungen. Als Laudator sprach Ulrich Dauber, ein befreundeter Künstler aus Osnabrück, mit dem Corinna Mund an der Universität Osnabrück Malerei und Grafik studierte.
Ulrich Dauber schilderte die Arbeitsweise Munds, die zunächst wahllos Objekte des täglichen Gebrauches sammele. Es seien Gelegenheitsfunde, die durch die Verarbeitung eine zweite Wirklichkeit erhielten. Mit der Einarbeitung der kunstfreien Objekte in die Werke stelle die Künstlerin das Kunstverständnis des Betrachters auf die Probe.
Die Materialsammlerin greife in ihr Sammelsurium und klebe die Dinge über- und untereinander, bevor das Stückwerk in einem zweiten Arbeitsschritt arrangiert und komponiert werde. Es entstehen Ready-mades, die die Wirklichkeit hinterfragen und keinem Zweckdenken unterliegen. So würden die Alltagsmaterialien durch das Schauen zu Kunstwerken.
Als Betrachter müsse man sich von den Zweckrealitäten lösen und nur den ästhetischen Wert entdecken. Die im wahrsten Wortsinn vielschichtigen Werke eröffneten sich erst im zweiten Blick, so Ulrich Dauber. Während in der Mühle die Malereien, Fotografien und Collagen ausgestellt sind, befinden sich die Radierungen und deren Abwandlungen an den Wänden des Mühlencafes.
Bei den Radierungen verzichtet Corinna Mund auf die üblichen Vorskizzen und setzt vorsichtig Linien auf die Radierplatte als Auftakt des Dialoges mit dem Material. Ein Prozess zwischen Ausweiten und Vertiefen, Abdecken und Schließen, Aufhellen und Abdunkeln beginnt. Obwohl Mund klassische Radierungstechniken einsetzt, entstehen durch das Hinzufügen von Folien, Papieren, Tapeten, Stoffen und dem Einsatz einer Nähmaschine neuartige Collagen, die durch ihren Materialmix beeindrucken. Meistens in abstrakter Form arbeitend, kann Mund dennoch nicht ganz auf figürliche Formen verzichten. Der Betrachter sollte sich allerdings Zeit für deren Entdeckung nehmen.
