Seefeld - Zu einem besonderen Konzert hatte die evangelische Kirchgemeinde in Seefeld am vergangenen Samstagnachmittag in ihre Kirche eingeladen. Milena Aroutjunova, Organistin aus Wilhelmshaven, war gekommen, um auf der 2015 sanierten Orgel in einem abwechslungsreichen Konzert Musik aus der deutschen Renaissance sowie von Johann Sebastian Bach vorzustellen.

Im Programm der in Moskau geborenen Organistin gab es gleich in mehrfacher Hinsicht Anknüpfungspunkte zu Martin Luther. Johann Sebastian Bach (1685-1750) war ohne Zweifel Zeit seines Lebens von Luthers Ideen inspiriert und ist für sein gewaltiges kirchenmusikalisches Schaffen über die Jahrhunderte aus der Kirchenmusik nicht mehr wegzudenken. Seine viersätzige Pastorella in Fa, BWV 590, und die kraftvolle Toccata und Fuge in Fa, BWV 540, umrankten die weiteren zu Luthers Lebzeiten entstandenen Werke des Programms.

Einige der für das Konzert ausgewählten Komponisten aus der Renaissancezeit sind heutzutage namentlich meist wenig bekannt – darunter der Salzburger Komponist und Organist Paul Hofhaimer (1459-1537) sowie seine Schüler Hans Kotter (1480-541) und Hans Buchner (1483-1538). Gleichwohl spiegeln ihre Werke das Lebensgefühl und den Musikgeschmack dieser Zeit sehr anschaulich wieder. Die Aufführung ihrer Kompositionen stellen auch heute noch eine große Herausforderung für den jeweiligen Organisten dar. Denn neben den häufig geforderten wechselnden Registraturen war es zur damaligen Zeit modern, Instrumentalensembles mit ihren jeweils eigenständige Stimmen und oft virtuosen Verzierungen zu imitieren. Das sollte mal tänzerisch leicht, mal getragen oder auch meditativ wirken.

Diesen vielseitigen Anforderungen nur auf einem einzigen Instrument, einer Orgel, stellte sich Milena Aroutjunova an diesem Nachmittag in beeindruckender Weise. Gezielt setzte sie Register ein wie beispielsweise bei der kraftvoll gestalteten „Fantasia“ von Hans Kotter. Hierin stellte sie den typischen Orgelklang tiefen, schnarrenden Rohrblattinstrumenten kontrastreich gegenüber. In Paul Hofhaimers „Ave Maria Stella“ entstand sogar der Eindruck, dass mehrere Blockflöten gemeinsam auf der Orgelempore musizierten.

Diese und viele weitere an diesem Nachmittag vorgestellten spannenden Beispiele zeitgenössischer Lebensfreude, Klangfarben und musikalischer Vielfalt in Kompositionen aus Luthers Lebzeiten beeindruckten das intensiv lauschende Publikum. Am Ende des etwa einstündigen Konzertes bedankte es sich dafür bei der Interpretin mit lang anhaltendem Applaus.