Seefeld - Anne und Frank Francksen aus Ruhwarden haben sich zusammen mit ihrer Tochter gleich auf die überdachte Bühne gesetzt. Von hier oben haben sie einen guten Blick über die Köpfe der anderen Zuschauer hinweg auf die große Leinwand im Schatten der Seefelder Mühle.
Außerdem sind die Plätze an den Tischen auf der Café-Terrasse der Mühle längst besetzt. Gesche Gloystein, die Geschäftsführerin des Kulturzentrums, zählt mehr als 100 zahlende Zuschauer beim alljährlichen Sommerkino am Freitagabend unter freiem Himmel. Nicht in jedem Jahr kann diese Veranstaltung tatsächlich open Air stattfinden.
Mit Picknick-Korb
In der Café-Küche reiht sich eine kleine Sperrholz-Kiste an die andere. Viele Zuschauer haben das Angebot wahrgenommen und den Picknick-Korb bestellt. Er enthält Sandwich, Salat, Frikadelle, Gemüsestangen mit Dipp und ein Gläschen Schoko-Mousse. Dazu ein Getränk.
Oben auf der Bühne genießen Anne und Frank Francksen den Abend. Seit Jahren ist das Ehepaar Fan des Mühlen-Kinos.
Auch Ulrike Meinert kommt etwa drei Mal im Jahr zum Kino in die Mühle: Sie ist die Vorführerin. Als eine von drei Frauen und drei Männern gehört sie zum Team des Mobilen Kinos Niedersachsen, das als Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film Niedersachsen seit 1992 den Film zu den Menschen bringt. Von ihrem Büro und Lager in Oldenburg aus versorgen die Frauen und Männer ganz Niedersachsen. Die Hälfte der Kosten trägt das Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
Die Seefelder Mühle gehört von Anfang an zu den Kunden. „Sie ist für uns schon eine kleine Hausnummer“, sagt Ulrike Meinert. Allmonatlich gibt es im Café einen Kinder- und Erwachsenenfilm, dazu kommt das Sommerkino. Die sechs Mitarbeiter wählen die Filme in ihrem Repertoire selbst aus: „Wir zeigen, was wir glauben, dass das Publikum sehen will, haben aber auch den Anspruch, unbequeme Filme zu zeigen.“
Deutsches Roadmovie
Diesmal gibt es „25 km/h“, definitiv kein unbequemer Film, sondern ein deutsches Roadmovie mit viel Humor und ein wenig Melancholie. Und in den Hauptrollen mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel als ungleiche Brüder, die ihren Jugendtraum wahr machen und auf ihren alten Mofas vom Schwarzwald bis an die Ostsee fahren und dabei zu sich selbst finden.
Wegen der beiden Hauptdarsteller sind auch überraschend viele jüngere Zuschauer gekommen. Sonst kommen Menschen zwischen 6 und 10 und ab 50 Jahre.
Ulrike Meinert sind die Vorführungen auch als Treffpunkt: „Die Leute sitzen zusammen und reden miteinander.“ Konzept und Film kommen auch diesmal gut an. Als eine halbe Stunde vor Mitternacht der Abspann läuft, klatschen die Zuschauer.
