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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geschichte: Sehnsucht nach dem Krieg?

26.03.2013
Frage: War der 1914 ausbrechende Erste Weltkrieg, wie oft behauptet, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts?
Von seggern: Uneingeschränkt: Ja.
Frage: Plante man den Krieg oder schlidderte man hinein?
Von seggern: Natürlich gab es Pläne für den Kriegsfall, die existierten aber in allen wichtigen Staaten Europas. Man war in jedem Fall im wahrsten Sinne „gerüstet“, um Krieg zu führen. Und man drehte kräftig an der Rüstungsschraube, nicht nur im Deutschen Reich. Das hat die Situation verschärft und war kaum noch zu kontrollieren. Es trifft also beides zu.
Frage: War die Garnisonstadt Oldenburg stark militarisiert?
Von seggern: Das kann man so sagen. Kasernen und Uniformen prägten vielfach das Stadtbild. Auch die öffentliche Meinung war geprägt vom Stolz auf die Garnison. Im Übrigen lag der Anteil von Soldaten an der Bevölkerung weit über deutschem Durchschnitt.
Frage: Wie zeigt sich eine Militarisierung der Gesellschaft?
Von seggern: Wir denken natürlich zuerst an die eigentümliche Pickelhaube als Symbol. Ursprünglich militärisch, wird sie auch von der Polizei getragen. Militarisierung zeigt sich aber vor allem in der Wertschätzung alles Militärischen. Erinnert sei an den „Hauptmann von Köpenick“. Unterordnung, ja regelrechte Unterwürfigkeit gegenüber dem Militär. Das gab es auch in anderen Staaten, aber kaum so ausgeprägt wie im Kaiserreich.
Frage: Das Militär hatte eine exklusive Stellung?
Von seggern: Ja, das Militär unterlag zum Beispiel nicht der zivilen Gerichtsbarkeit. Das führte automatisch zur Sonderrolle. Der Untertanengeist war im Kaiserreich ausgeprägt gegenüber Offizieren, gegenüber dem Landesherrn – hier dem Großherzog – und natürlich gegenüber dem Kaiser. An zu blinder Unterordnung gab es aber in Oldenburg auch Kritik.
Frage: Woran denken Sie da?
Von seggern: Etwa den Ochsenskandal 1883. Ein Offizier hatte seine Rekruten als „Oldenburger Ochsen“ bezeichnet, die Bevölkerung reagierte beleidigt. Es kam zum Auflauf vor dem Haus des Regiments-Kommandeurs, die Polizei musste anrücken. Die Sache verlief im Sande, aber selbst in Berlin hatte man bemerkt: Die Oldenburger haben ihre Ehre.
Frage: Wie hielt man das Militärische hoch?
Von seggern: Man akzeptierte die Sonderrolle des Militärs, pflegte das in Vereinen oder exklusiven Clubs wie der Casino-Gesellschaft. Auf dem Pferdemarkt wurde exerziert. Es gab Aufmärsche und Feiern, etwa am Tag der Schlacht von Sedan oder zu Kaisers Geburtstag. Und die mitgliederstärksten Vereine waren, wie überall im Reich, die Kriegervereine.
Frage: Musste man mit einem Krieg rechnen?
Von seggern: Das Deutsche Reich war durch Kriege geschaffen worden. Das begründete die starke Stellung des Militärs, aber auch eine Ur-Angst: Man sah sich von Feinden, in erster Linie Frankreich, belagert. Das Gefühl der Bedrohung beherrschte und belastete viele Menschen. Man wollte Frieden, die Früchte steigenden Wohlstands genießen. Und doch ahnte man, dass ein Krieg auf Dauer nicht zu vermeiden ist.
Frage: Deutsche Truppen kannten Kriege unter anderem durch die Kämpfe in Kolonien.
Von seggern: Ja, aber diese Einsätze waren umstritten. Nur gewisse Kreise schwärmten vom „Platz an der Sonne.“
Frage: Ihre Ausstellung im Oldenburger Stadtmuseum im Herbst 2013 heißt „Sehnsucht nach dem Krieg?“ Wie wichtig ist das Fragezeichen?
Von seggern: Man wünscht sich immer klare Antworten. Aber die Forschung ist sich seit Jahrzehnten nicht einig, was Kriegsausbruch, Kriegsende oder auch Eskalation während des Krieges betrifft. Da wird man von uns keine endgültige Antwort erwarten können. Uns interessiert, ob Oldenburg als Garnison- und Residenzstadt repräsentativ für das Reich war. Nach jetzigem Stand vermute ich: Oldenburg war weder kriegsbegeisterter noch friedensbewegter als andere Städte.

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Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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