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Cartoon Seit 30 Jahren Stein im Brett

Regina Jerichow

Oldenburg - Dass 30 Jahre eigentlich kein richtiges Jubiläum abgeben, ließe sich einwenden. Andererseits sollte man keinen Geburtstag auslassen. Zudem sind nicht viele Verlage derart erfolgreich, und nicht ein einziger beschäftigt Deutschlands erfolgreichsten Cartoonisten: Der Oldenburger Lappan Verlag, am 3. September 1983 gegründet, war schon immer etwas Besonderes – schräg, frech und witzig, wie die Figuren und Haustiere von Uli Stein. „Er hat den Verlag zu dem gemacht, was er ist“, sagt Gründungsmitglied Dieter Schwalm ganz bescheiden und ungewohnt ernst.

Zu bescheiden, denn auch das Gespür des 59-Jährigen dürfte keine geringe Rolle gespielt haben: Auf der Frankfurter Buchmesse war Schwalm – damals noch Werbe- und Presseleiter beim Oldenburger Stalling Verlag – auf Uli Stein gestoßen und hatte ihn überredet, sein erstes Buch bei Stalling herauszugeben. „Mit einer Auflage von 5000 Exemplaren“, erinnert er sich, „und wir haben uns wie Bolle gefreut, dass die nach ein paar Monaten weg waren.“

Ach du dicker Hund

Weg war aber zuvor der Stalling Verlag: Er ging pleite. Mehrere Mitarbeiter legten daraufhin ihre Ersparnisse zusammen, um sich mit dem Lappan Verlag selbstständig zu machen, wo „Ach du dicker Hund“, Uli Steins Erstling, schließlich herauskam.

Von den sieben Gründungsmitgliedern blieben bald nur noch vier Gesellschafter übrig, dann nur noch zwei, und als Peter Baumann, der zuletzt die Kinderbuchsparte betreut hatte, in den Ruhestand ging, war Schwalm allein verantwortlich, vor allem für die Finanzen: „Vom Steuerberater zur Bank und wieder zum Steuerberater“, beschreibt er seine undankbare Aufgabe. Um „zurück zu den Wurzeln und zurück zum Spaß“ zu kommen, verkaufte er Lappan 2007 an den Wiener Verlag Carl Ueberreuter. Und hat den Schritt nicht bereut. „Wir bewegen uns auf der Stelle“, sagt er und meint damit den Umsatz des Verlages, der konstant bei fünf bis fünfeinhalb Millionen Euro im Jahr liegt.

Statt Gesellschafter ist er jetzt Programmchef und hat damit auch eine Bedingung von Star-Autor Uli Stein erfüllt, dessen Gesamtauflage inzwischen elf Millionen Exemplare beträgt. Über einen Wechsel habe er „nie ernsthaft nachgedacht“, sagt der 67-Jährige, der derzeit seinen „Schwerpunkt auf die Fotografie“ verlegt hat.

Wieder trifft er damit genau ins Schwarze, denn unter der Ägide des Verlegers Klaus Kämpfe-Burghardt (61) – Geschäftsführer bei Ueberreu­ter und somit auch seit zwei Jahren beim Lappan Verlag – wird der starke Programm-Kern um einige „Satelliten“ erweitert, etwa ab Herbst um die Sparte „Lappan Art“, wo Cartoon auf Kunst trifft. Darin erscheint etwa auch der Kalender von Uli Stein mit Fotografien von fantastischen Wolkenformationen. Oder aber die surrealistischen Motive von Javier Mayoral, der in Miami lebt, von Beruf eigentlich Koch ist und sich mit seinen Bildern einen internationalen Fankreis aufgebaut hat.

Rechte an Heinz Erhardt

Mit solchen Auflagen wie Uli Stein sie erzielt, könne sich der Verlag auch „solche Versuche leisten“, sagt Kämpfe-Burghardt, der das Verlagsgeschäft auch verstärkt mit „Events“ verbindet, etwa eine Ausstellung mit Arbeiten von Mayoral in der Kasseler Caricatura Galerie für Komische Kunst (21.9. bis 10.11.).

Und obwohl Uli Stein sich einen ernsten Ausflug zur Fotografie erlaubt, muss man auf seinen gezeichneten Witz nicht verzichten. Zum 30-jährigen Bestehen des Verlages ist ein Sammelband mit seinen schönsten Haustier-Cartoons erschienen. Der letzte Cartoon im Sammelband ist zugleich eine Reminiszenz an Uli Steins erstes Buch: Auf dem Cover waren die beiden damals schon zu sehen – ein peinlich berührter, schwitzender Köter mit Schlappohren, der gar nicht hinschauen mag, während sich eine Mieze verliebt an ihn schmiegt – ach du dicker Hund.

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