Grabstederfeld - An diesem Mittwoch feiern Anneliese und Ewald Wingenbach ihre Eiserne Hochzeit. Seit 65 Jahren sind sie verheiratet, haben sich ein Eigenheim geschaffen und drei wohlgeratene Kinder großgezogen. Alles begann am 11.11.1950 um 11 Uhr an einem Sonnabend. „Um dieses Datum wurde damals noch nicht soviel Brimborium gemacht“, sagt Anneliese Wingenbach.
Beide kamen aus zerbombten Elternhäusern, waren bei Verwandten untergekommen und hatten nach dem Krieg eine Lehre aufgenommen. Damals hieß das Mädchen noch Anneliese Rüdebusch und besuchte eine Haushaltsschule in Wilhelmshaven, Ewald lernte in der selben Stadt Werkzeugmacher.
Beide mussten ständig mit dem Zug fahren – und in einem solchen kam es auch zur ersten Begegnung. Sie verabredeten sich zum Tanz, lernten sich besser kennen und verliebten sich. Als 1947 das Gerücht aufkam, alle Mädchen die keine Arbeit haben, würden nach Russland verschleppt, fing Anneliese in einer Näherei an, berichtet sie. „Für 45 Pfennig Stundenlohn“, weiß sie noch. Ewald fand schließlich bei den Vareler Motorenwerken Arbeit und blieb dort 36 Jahre.
Im Laufe der Jahre baute sich das junge Paar eine Bleibe in Grabstederfeld auf, was nach dem Krieg nicht einfach war. „Unsere Urlaube waren immer nur zum Arbeiten da, entweder man ging zum Torfstechen oder man baute am Haus, und die Kinder wurden nebenbei mit großgezogen“, erzählen sie. Geld war eigentlich nie viel da, aber beide haben immer zusammengehalten. „Natürlich hatten wir auch dunkle Tage, es war nicht immer heile Welt, aber wir kämpfen, und dann geht es wieder“, berichtet Ewald Wingenbach über die Ehe.
Anneliese Wingenbach backt und kocht gerne und unternimmt manchmal Reisen mit ihrer Schwägerin. „Am besten hat mir St. Petersburg gefallen“, schwärmt Anneliese. Ewald genießt lieber die Ruhe in seinem Raucherzimmer.
Rund ums Haus gibt es einen großen Gemüsegarten, früher war er zur Selbstversorgung notwendig, heute gibt es ihn etwas kleiner immer noch – „weil das frische Gemüse so gut schmeckt“, sagt Anneliese Wingenbach und zeigt beim Fototermin aus dem Küchenfenster auf das gepflegte Landstück, während ihr Mann argwöhnisch auf das herabfallende Laub der riesigen Straßenbäume blickt. Wäre da nicht dieser fiese Nieselregen, hätte er das Laub längst weggeharkt – dennbeide mögen es ordentlich.
